Mysteriöser Flugzeugabsturz nach 53 Jahren aufgeklärt

Von der eigenen Flak abgeschossen

Reportage-Reihe: "xcluahr. ARD, 21.35 Uhr

Fast 53 Jahre lang barg ein Acker bei Bökel im Kreis Rendsburg die sterblichen Überreste von drei Wehrmachts-Piloten, die bei einem Nachteinsatz am 20. August 1944 mit ihrer ME 110 abgestürzt waren. Im Februar dieses Jahres machten sich Spezialisten aufgrund einer Privatinitiative daran, die Unglücksstelle zu untersuchen und Leichen- sowie Wrackteile des Flugzeugs zu sichern.

Die Aktion, im Prinzip völlig unspektakulär, förderte eine Reihe von Tatbestanden ans Licht, die aufhorchen ließen. So konnte zweifelsfrei festgestellt werden, daß die ME 110 seinerzeit nicht vom Feind, sondern von der eigenen Flak vom Himmel geholt wurde und die Opfer in ihren Heimatorten scheinbestattet wurden.

Den Angehörigen hatte man damals versichert, daß die Leichen geborgen worden seien. Doch die Särge enthielten nur Sand und andere Füllstoffe.

Die makabren Details aus dem Zweiten Weltkrieg vom "Todesflug der ME 1 10" deckt Christoph Lütgert in seiner Reportage auf. Er hatte von der Bergung des Flugzeugs erfahren und die Angehörigen der Toten ausfindig gemacht.

Bei den Recherchen kristallisierte sich nach und nach eine ganze Reihe von Widersprüchen heraus, die den Filmemacher veranlagten, den Ereignissen in der Vergangenheit etwas genauer auf den Grund zu gehen.

Es scheint sicher, daß Wehrmacht und Polizei schon wenige Stunden nach dem Absturz, bei dem Bordschütze Otto Aschermann (20), Flugzeugführer Eugen Peters (24) und Funker Heinz Langohr (29) umkamen, die wahre Ursache des Unglücks ermittelt hatten. Um unliebsame Nachforschungen zu vermeiden, wurde die Unglücksstelle damals weiträumig abgesperrt und dem Erdboden gleichgemacht. Die Angehörigen erfuhren erst durch Lütgerts Recherchen von der Manipulation. Sie reagierten konsterniert und verbittert über das Täuschungsmanöver. K. W.

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