Eigene Straßen statt "Slalomfahrten auf Schlagloch-Pisten"

Freie Fahrt für Radfahrer

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dpa/hess Bonn - Radfahrer sollen im Straßenverkehr weitere Erleichterungen und Vorrechte gegenüber dem Auto erhalten, "ies sehen Pläne des Bundesverkehrsministeriums zur Änderung der Straßenverkehrsordnung vor. Minister Matthias Wissmann (CDU) erläuterte gestern die Neuerungen: Für die freie Fahrt von Radlern soüen eigene Fahrradstraßen eingerichtet werden. Schlechte Radwege müssen nicht mehr befahren werden. Und Busspuren sollen mitbenutzt werden.

Weiter ist vorgesehen, daß neun- und zehnjährige Kinder auch auf Gehwegen mit dem Rad fahren dürfen. Kinder bis zu acht Jahren müssen wie bisher die Gehwege benutzen.

Die Verordnung soü im Frühjahr vom Bundesrat beraten werden und im Herbst in Kraft treten. Wissmann sagte, mit den Änderungen soüe die Sicherheit erhöht und das umweltfreundüche Fahrrad gefördert werden.

Kommunen soü erlaubt werden, ruhige Anüegerstraßen oder stark von Radlern benutzte Stra- ßen .speziell für Fahrräder auszuweisen. Hier 'dürfen Radler auch

nebeneinander fahren.

Dazu wird ein neues Verkehrsschüd eingeführt - ein schwarzgerändertes Quadrat mit weißem Untergrund und der Aufschrift "Fahrradstraße", in dessen Mitte ein weißes Fahrrad auf kreisförmigem blauem Untergrund steht.

Auf solchen Straßen soüen Autos nur fahren dürfen, wenn ausdrücküch durch ein Zusatzschild erlaubt. Dann wird es Be- Fahrradstraße schränkungen geben - etwa nur eine Fahrtrichtung und mäßiges Tempo. Weder Anüegerparkplätze soüen verlorengehen, noch Umbauten vonnöten sein, sagte Ministeriumssprecherin Barbara Walther-Wolf dem Abendblatt: "Die Kommunen steüen das Schüd auf - und fertig-" .. Außerdem soll dem größten Ärgernis vieler Radler abgeholfen werden: Die Benutzungspflicht soü auf solche Radwege beschränkt werden, die für den Radfahrer "zumutbar" sind das soü heulen, daß sie in gutem Zustand oder ausreichend breit (mindestens 1,5 Meter) sein müssen. Gefähriiche "Slalomfahrten auf Schlagloch-Pisten" sollen entfaüen.

Der ADAC lehnt das rundweg ab. Damit werde die Finanzmisere der. Kommunen auf Radfahrer und Autofahrer zusammen abgewälzt, die sich nun die Fahrbann teüen müßten, was erhebüche neue Gefahren berge. ADAC- Sprecher Wolfgang Wuthe: "Ist ein Radweg mcht in Ordnung, muß er eben repariert werden."

Der AUgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hingegen begrüßt die Pläne. Damit würden seit Jahren erhobene Forderungen endüch zum Teü verwirkücht, sagte der ADFC-Bundesvorsitzende Karl-Ludwig Kelber. Er. kritisierte, daß nicht auch die Offnungvon Einbahnstraßen für den Radverkehr in beiden Richtungen aufgenommen worden sei, obwohl der zuständige Bund-Länder-Fachausschuß dafür sei. Städte wie Kiel, Bremen oder Saarbrücken praktizieren dies bereits.

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