Engländer und Franzosen uralte Mißverständnisse

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Titel Dover-Calais Autor Julian Barnes. Aus dem Englischen von Gertraude Krueger

Verlag Haffmans Preis 36 Mark, 272 Seiten

Inhalt Erzählungen aus fünf Jahrhunderten über Englän-

Von RUTH HARTMANN Eme lange Geschichte hat das von Faszination und Vorurteüen geprägte Verhältnis zwischen Ingländern und Franzosen. Obwohl beide Länder seit 1994 durch den Eurotunnel direkter denn je miteinander verbunden sind, scheint das Eis noch mimer nicht gebrochen.

Dem britischen Autor Juüan Barnes, zunächst vor allem in Deutschland bekannt durch seine ,,Duffy"-Kriminalromane, die er unter dem Pseudonym Dan Kavanagh verfaßte, gelang mit der in mehr als 20 Sprachen übersetzten Pollt-Farce "Flauberts Papagei" (1984) der internationale Durchbruch.

Der Brite, der selbst ein Jahr in Frankreich verbrachte und seinen B.A. in Französisch erwarb, nimmt das Verhalten der Engländer in Frankreich unter die Lupe und berichtet in zehn ernsthaft-nüchternen bis amüsanten Erzählungen von einigen

Beweggründen, die die Briten über fünf Jahrhunderte dazu bewogen haben könnten, den Ärmelkanal zu überqueren.

So erhofft sich in der Erzählung "Atmosphärische Störungen ein fiktiver engüscher Komponist eine Karriere als Künstler m einem abgeschiedenen Dorf in Frankreich, da es in England ?nicht erlaubt" sei, "Künstler zu sein". Seine französische Frau und er sind von gegenseitigen Vorurteüen so geblendet, daß sie nicht in der Lage smd, wirkllch aufeinander einzugehen.

Das Kapitel "Verbindungswe- §e" bezieht sich auf den Eisenahnbau zu Flauberts Zeiten. Die hart arbeitenden engüschen Streckenarbeiter werden aufg-und ihrer Robustheit und ihres laubens von französischen Beobachtern verspottet.

In heüiger Mission ziehen irische "Dragoner" zur Zeit der Protestantenverfolgungen im 16. Jahrhundert nach Frankreich, um gewaltsam ein Dorf zu bekehren, das ungebrochen an seinem Glauben festhält - eme erschütternde Erzählung.

Juüan Barnes gelingt es auf packende Weise, auf menschücne Schwächen hinzuweisen, ohne zu verurteüen. Mit viel Witz, Sarkasmus und Ironie schildert er in manchmal zu raschem Wechsel Sichtweisen jenseits des gewohnten Denkens. Er rüttelt an Tabus und festgefahrenen Klischees, zeigt neue Sichtweisen auf, ohne dabei die Wahrheit für sich zu beanspruchen. Die Vielfalt dergrößtenteüs verständüchen Andeutungen ist beeindruckend.

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