Auf zwei Rädern durch das Bürokraten-Dickicht

Es ist zwar nicht gerecht, aber die Beliebtheit unserer Staatsdiener hält sich in Grenzen. Was sie treiben, bleibt für die meisten Bürger im dunkeln, von Polizisten, Lehrern, Krankenschwestern und Müllmännern mal abgesehen. Manchmal aber öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick frei auf ungeahnte Tätigkeiten.

Da gibt es zum Beispiel in der Baubehörde eine Fahrradbeauftragte mit eigenem Büro. Die Förderung des Radverkehrs in der Freien- und Hansestadt Hamburg ist ihr besonders ans Herz gelegt. Ein

lobenswertes Unterfangen. Doch nun hat sie Unwillen ausgelöst. Anlaß ist ein Schreiben an alle Behörden, das Senatsamt für die Gleichstellung, die Bezirksämter, die Senatskanzlei, die Bürgerschaftskanzlei. Inhalt: Eine Bestandsaufnahme aller Dienstfahrräder sowie Angaben über die Verantwortung für Wartung und Betreuung, die Ausleihmodalitäten und die Nutzungshäufigkeit.

"Zunächst glaubte ich an einen Aprilscherz", schrieb Rolf Dahlheimer, Präsident der Fachhochschule Hamburg, an

Finanzsenator Ortwin Runde, und erklärte ihm, was für ein bürokratischer Aufwand nun auf Behörden, Ämter und angeschlossene Dienststellen zukomme. Allein im Bereich der Wissenschaftsbehörde müßten jetzt zwei Universitäten, vier Hochschulen, das UKE, das HWWA und die Staatsbibliothek auf die Suche nach stadteigenen Drahteseln gehen.

Allerdings wisse er jetzt endlich auch, was die Fahrradbeauftragte zu tun habe, schrieb Dahlheimer: "Sie wird zunächst einmal andere beschäftigen, um sich hinterher selbst damit zu beschäftigen." Für die Auswertung würden dann zusätzliche Bürokapazitäten und Schreibkräfte benötigt. Und das alles bei leeren Kassen. Parkinson lasse grüßen.

Das einzige Dienstfahrrad der Fachhochschule stehe übrigens in der Partnerhochschule in Shanghai.

Dahlheimer: "Über Wartung, Betreuung und Ausleihmodus werde ich mich bei meinem nächsten Besuch aus Anlaß der Reise des Ersten Bürgermeisters erkundigen." scho

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