Bewegung auf Rezept: Ärzte sollen Sport verschreiben

hai Hamburg - Mit einer Änderung des Sozialgesetzes will Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) verhindern, daß Krankenkassen ihren Mitgliedern weiter die Beiträfe für die Teilnahme an itneß-Kursen erstatten, die zur Erhaltung der Gesundheit geeignet sind.

Während Vereins- und Verbandsvertreter sich massiv gegen die Pläne wehren, indem sie auf ihr intaktes Gesundheitssport-System und auf den Verlust von 3000 Arbeitsplätzen in der Branche verweisen, macht sich der Hamburger Sportmediziner Klaus-Micnael Braumann Gedanken, wie es weitergehen kann. Der Professor, unter dessen Leitung in der Stadt ein Institut für Bewegungs- und Sportmedizin entsteht, fordert: "Jetzt müssen Vereine und Arzte endlich zusammenarbeiten. "

In der Vergangenheit, so Braumann, habe es oft ein "fatales Gegeneinander" von Klubs und Medizinern gegeben: "Die Vereine haben geglaubt, daß sie dank ihrer Gesundjieitssport- Angebote die Arzte nicht mehr brauchen. Und die Arzte haben die Präventivarbeit im Sport nicht ernst genommen." Letzteres sei nach der Ankündigung von Seehofer, die Finanzierung der sportlichen Gesundheitsförderung zu streichen, besonders deutlich geworden: "Leider ist der Protest der Mediziner gegen diesen Plan ausgeblieben", klagt Braumann.

Damit den vorbeugenden Maßnahmen der Vereine mehr Anerkennung von den Kassenärzten zuteil wird, schlägt der Sportmediziner eine Erforschung von praxiserprobten Gesundheitssport- Kursen vor: "Wissenschaftliche Studien fehlen in diesem Bereich fast völlig", sagt Braumann. Aus diesem Grund sollen Krankenkassen und Arzte auch gemeinsam Empfehlungen für Maßnahmen zur Gesundheitsförderung erarbeiten, deren Qualität gesichert ist.

Der Plan von Klaus-Michael Braumann geht poch weiter: Er hofft, daß Arzte bald Sport im Verein verschreiben - Bewegung auf Rezept. "Um das zu ermöglichen, müssen die Klubs ihre Angebote jedoch in ihrem Einzugsgebiet aufeinander abstimmen und den Ärzten eine nach Therapieformen geordnete Liste mit Sportangeboten zur Verfügung stellen", fordert er. ..

Wenn Arzte und Vereine erst einmal kooperierten, wäre das weitere Vorgehen einfach: "Der Arzt stellt die Diagnose und vermittelt den Patienten an einen Klub, der ihm dann helfen kann."

Der Hamburger Sportbund (HSB) ist inzwischen dabei, einen Katalog des Gesundheitssports zu erstellen.

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