Anschlag von Atomkraftgegnern?

Unbekannte versuchten, einen Strommast von Krümmel umzukippen

Unbekannte haben Dienstag abend einen Anschlag auf eine Hochspannungsleitung des Atomkraftwerks Krümmel bei Geesthacht verübt: Sie versuchten, mit einem Bagger die Fundamente eines Stahlmastes in Schwarzenbek zu untergraben und ihn so umzustürzen. Da sie dabei jedoch eine Ölleitung beschädigten und Hydrauüköl ausüef, üeß sich der Bagger nicht mehr steuern.

Der letzte spektakuläre Anschlag auf einen Strommast des Kraftwerks Krümmel hegt elf Jahre zurück: Im Januar 1985 hatte eine Gruppe namens "Hau weg den Scheiß" emen Mast gesprengt und zehn Müüonen Mark Schaden verursacht.

Ob es sich beim jüngsten Vorfall um einen Anschlag aus der Terror- oder der

Anti-Atomkraft-Szene handelt, konnte die Staatsanwaltschaft in Lübeck gestern noch nicht einschätzen: Da kein Bekennerschreiben vorliegt, so ihr Sprecher Klaus-Dieter Schultz, seien sämtliche Überlegungen zu einer Tätergruppe spekulativ. Bislang werde nur wegen Sachbeschädigung ermittelt.

Die Versorgung des zur Zeit wegen Revisionsarbeiten abgeschalteten Kraftwerks "war zu keinem Zeitgunkt gefährdet", sagte [EW-Sprecher Johannes Altmeppen. Anders als 1985, als Krümmel nur über eine einzige Ableitung verfügte und sich der Reaktor automatisch abgeschaltet hatte, war jetzt eine Leitung der PreussenElektra nach Lübeck betroffen. Sie befindet sich im Bau und soll künftig die neuen Bundesländer versorgen.

"Aufgrund mehrerer Ableitungen war klar, daß Auswükungen auf das Kraftwerk in diesem Fall nicht zu erwarten waren", sagte Altmeppen. Seit Jahren protestieren hier Umweltschützer gegen die "Zerschneidung der Natur".

Mögüch ist, daß die Täter am Dienstag nicht zum ersten Male aktiv geworden sind: Vermutüch hatten sie bereits am Wochenende den Bagger aufgebrochen und einen Mast beschädigt. Damals war man jedoch noch von grobem Unfug ausgegangen. Das Baufahrzeug war daraufhin repariert und an der B 209 in Höhe Louisenhof (Kreis Herzogtum Lauenburg) abgestellt worden.

Die Unbekannten brachen am Dienstag noch vor 21 Uhr erneut das Führerhaus auf und fuhren knapp einen Kilometer durch ein Maisfeld zu dem 45 Meter hohen Mast, der eine 110und eme 380-Küovolt-Leitung trägt. Offenbar kannten sie sich mit der elektronischen Technik des Baggers aus, da sie mehrere Sicherheitsvorkehrungen für den Betrieb überwinden konnten.

Denkbar ist, daß sich nun neben dem Kommissariat 5 (poütische Anschläge) der Bezükskriminaünspektion Lübeck auch wieder die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe einschaltet: Sie hatte die Ermittlungen im Januar 1985 und bei kleineren Anschlägen auf Strommasten von Krümmel im August 1986 und Januar 1988 übernommen, kat/tij