Auf die Kreativen wirkt Hamburg wie ein Magnet

Immer mehr deutsche und internationale Medienmacher zieht es an die Elbe: Mit rund 50 000 Beschäftigten in 5000 Unternehmen und 40 Milliarden Mark Umsatz hat sich die Branche in der Hansestadt laut Handelskammer zum viertgrößten Arbeitgeber femausert. Längst wüd in Hamurg mit Musik mehr Umsatz gemacht als mit Schiffbau. Der jüngste Trend, so die Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung: Immer mehr Multimedia-Spezialisten machen sich in Hamburg selbständig, um vom wachsenden Markt der Online-Angebote bei den Verlagen zu profitieren.

Ob Verlage, Fernsehen, Füm, Funk, Werbung oder Musikproduktionen - auf die Kreativen der Branche wükt Hamburg wie ein Magnet. "Die Stadt hat in allen Medien-Bereichen eine starke Stellung, gute Infrastruktur und vor allem kompetente Leute", sagt Senator Thomas Mirow. Für jeden Bedarf gebe es Spezialisten, ob Schauspieler, Regisseure, Cutter, Fotografen, Werbetexter oder Journallsten. So konnte Hamburg seine Position ün Standort-Wettbewerb mit Berün, München und Köln ausbauen, mußte aberauch Federn lassen: Der Privatsender SAT.l verlegte seine News-Redaktion nach Berlln, Sony Classical zog nach London. Auch die Konkurrenz verbuchte Erfolge, etwa den Aufbau von "Focus" in München oder von RTL in Köln.

Hamburg profitiert von seinen "weichen" Standort-Vorteüen: Die Hansestadt bietet attraktive Wohnlagen und Büros, das Kultur- undllnterhaltungs- Angebot ist groß, eine Sperrstunde gibt es nicht. Ost- und Nordsee für einen erholsamen Trip sind schnell erreichbar. Der Hafen ist dazu für die Stadt ein Joker: Viele Filmproduzenten aus dem In- und Ausland stehen Schlange für einen Dreh vor der Kulisse aus Schiffen und Containerbrücken. Für den Vorstands-Chef von Grüner + Jahr, Gerd Schulte- Hülen, ist Hamburg der "deutsche Presse-Standort par excellence". Der Axel Springer Verlag unterstreiche mit Millionen-Investitionen in Verlagsgebäude und Redaktionen in Hamburg seine Überzeugung für die "Qua- Utät des Standortes", meint Vorstands-Chef Jürgen Richter.

Unter den jüngsten Ansiedlungen sind große Namen: Der US- Konzern Viacom startete seinen TV-Musikkanal VH 1. Time Warner verlegte seinen Firmensitz von München nach Hamburg. Filmregisseur Dieter Wedel ("Der große Bellheim", "Der Schattenmann") zog mit seiner Produktionsfirma Corona von Hannover an die Elbe. Grünes Licht gab der Senat für den Bau eines neuen Medien-Zentrums, wo 1998 das Synchronstudio Plaza Synchron mit 400 Mitarbeitern seine Arbeit aufnehmen soll. Bertelsmann startete seinen elektronischen Dienst America Online in Hamburg.

Im Printbereich, der traditionellen Stärke Hamburgs, gab es außer erfolgreichen neuen Titeln ("Max", "Fit for Fun", "Die Woche", "Allegra") natürlich auch Flops: Zuletzt wurden das Zeitgeistmagazin "Tempo" und "TV Pur" eingestellt; andere Titel wie das Bauer-Blatt "Ergo" kamen gar nicht erst auf den Markt. Unterm Strich aber, so sind die Stadtväter überzeugt, werde Hamburg gewinnen - vor allem ün Online-Bereich.

Und als Zeitschriften-Stadt ist Hamburg - mit den Verlagen Grüner + Jahr, Axel Springer, Bauer, Spiegel, Jahreszeiten und Müchstraße - unumstritten die Nummer Eins in Deutschland. BEATE KRANZ (dpa)

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