1996 erwartet uns ein Sonnenjahr

aktuelle Meldungen zusammengestellt, die einen kleinen Ausblick gestatten. Da ist "unser Mann im All", Thomas Reiter. Wie feiert er im Himmel? Da verspricht uns der 100jährige Kalender ein Sonnenjahr. Und es wird uns ein Tag geschenkt - der 29. Februar. Die Uhr tickt, das Jahr geht zu Ende. Voller Ungeduld warten wir auf 1996, zählen die Minuten - die Sekunden. Was wird das neue Jahr bringen, was bleibt vom alten? Kaum einer kann sich der Silvester-Magie entziehen. Deshalb hat das Hamburger Abendblatt einige

Wenn der legendäre Klosterbruder Mauritius Knauer mit seinem 100jährigen Kalender recht behält, wird 1996 ein "Sonnenjahr" - allerdings ohne Garantie für einen Supersommer. Der Abt des Klosters Langenheim bei Bamberg, der vor rund 300 Jahren den Lauf der Gestirne und ihre möglichen Einflüsse auf das irdische Klima zu deuten suchte, hat für das kommende Jahr eme Wet-

Mit etwas Glück bekommen wir wieder einen so schönen warmen Sommer wie 1994 und 1995. terprognose hinterlassen, die jeder nach eigenem Gusto auslegen kann. So sind Sonnenjahre mehr trocken als feucht, aber allgemein nur mittelmäßig warm. 1982 und 1975 mußten wir dennoch im Sommer tüchtig schwitzen. Zunächst fängt das Jahr bitterkalt an. Im Süden und Westen werden die Zündschnüre der Böller naß, im Norden frieren die Raketen fest. Sogar die Ostsee beginnt zu frieren. Einige Häfen sind gesperrt. Der eisige tol", der seit Tagen für Winterwetter sorgt, hat aber den Kampf mit einer "großen Unbekannten" einem bisher namenlosen Tief Tausende Kilometer entfernt auf dem Atlantik, angetreten, so die Meteorologen in Offenbach. Wenn wir auch nicht genau wissen, wie das Wetter wird, eines wissen wir, was uns die Zeit bringt - nämlich eine Sekunde und einen Tag mehr. Der erste Tag im neuen Jahr dauert 86 401 Sekunden - es muß geschaltet werden. Auch das Jahr braucht mal wieder einen Schalttag im Februar. Nötig wird er, weil die Erde nicht genau 365, sondern 365,2422 Tage auf ihrem langen Weg um die Sonne braucht. Wer seine (Urlaubs-)Tage gut nutzt, kann 1996 übrigens ideal "Brücken bauen". Kein Feiertag wird unnötig an ein Wochenende verschwendet. Wer zum Beispiel am Sonnabend, dem 30. März, in Urlaub fährt, kann den Karfreitag und den Ostermontag ausnutzen und mit acht Urlaubstagen 16 Tage lang verreisen. Wenige Wochen später, zu Pfingsten, kann der kühle Kalkulierer schon wieder in den Ferienflieger steigen. Vom 11. bis zum 27. Mai macht er mit nur neun Tagen Urlaub immerhin 17 Tage frei.

Am Himmel tut sich 1996 einiges. Die spektakulärsten kosmischen Schattenspiele, die in Mitteleuropa bei klarem Himmel zu beobachten sind: In der Nacht vom 3. auf den 4. April ereignet sich die erste totale Mondfinsternis, die zweite folgt in den frühen Morgenstunden des 27. September, i den Nachmittagsstunden des 12. Oktober schiebt sich die dunkle Neumondscheibe vor die Sonne und bedeckt sie teilweise. Die vierte Finsternis im Jahr 1996, die partielle Sonnenfinsternis vom 17718. April, ist von der fesamten Nordhalbkugel der Irde aus nicht zu sehen.

Zeitweise zu beobachten ist hingegen die russische Raumstation "Mir" mit dem Deutschen Thomas Reiter an Bord. Er rutscht mit 28 000 Stundenkilometern ins neue Jahr. Statt Champagner (in der Schwerelosigkeit zu schwer zu trinken) gibt es Cognac - und den auch zwei Stunden früher als bei uns. Denn Reiter und seine russischen Freunde Juri Gidsenko und Sergej Awdejew leben an Bord natürlich nach Moskauer Zeit.

Sowohl im Himmel bei den Astronauten als auch auf der Erde bei den Deutschen ist die

Stimmung gut. 49 Prozent beginnen das Jahr mit positiven Hoffnungen, ergab die traditionelle Neujahrsumfrage des Instituts für Demoskopie in Aliensbach. Nur 17 Prozent äußerten Befürchtungen, 25 Prozent gaben sich skeptisch, neun Prozent waren unentschieden. Der Unterschied im Stimmungsklima zwischen West und Ost, der vor allem in den Jahren der wirtschaftlichen Rezession von 1992 und 1993 groß war, hat sich inzwischen verkleinert, ist aber noch deutlich erkennbar. 52 Prozent der Ostdeutschen gehen mit Hoffnungen in das neue Jahr, im Westen tun dies nur 47 Prozent. Für manch einen entscheiden schon die ersten Stunden dar- über, wie das neue Jahr verläuft. Wenn sich der Knallfrosch in der Silvesternacht nämlich verhüpft, ist der Schaden oft groß. Nach dem Neujahrstag trudeln Jahr für Jahr beim Bonner Verband der Schadenversicherer Meldungen über rund 8000 Brände ein. Die Versicherungen kostet der Spaß insgesamt etwa 15 Millionen Mark. Welche Versicherung zahlt, hängt dabei ganz vom Schaden ab, berichten die Sprecher des Verbandes. Auf jeden Fall sollte man ihn schnell melden.

Wer ein Feuerwerk zündet, muß mehr als zehn Meter Sicherheitsabstand zu den Zuschauern wahren. Dies hat das Oberlandesgericht in Nürnberg entschieden. Es drohen sonst hohe Schadenersatzforderungen. Knallharte Strafen gibt es auch für Feuerwerk-Schmuggler nach Dänemark. Seit Jahren ist die Einfuhr von Böllern aller Art verboten. Es dürfen nur ganz bestimmte Raketen abgefeuert werden.

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Ein guter Vorsatz für Silvester wäre ohnehin, weniger zu knallen und mehr zu spenden - etwa für "Brot für die Welt". Aber mit den guten Vorsätzen ist es seit jeher so eine Sache. In der Wissenschaft feiten emotional zugesagte gute äten in der Silvesternacht häufig als leere Versprechungen und reine Absichtserklärungen. "Nichts davon wird eingelöst", meint die Drolom-Psycholqgin Delia Beyer-Trebert aus Hofheim/Taunus. "Alles, was wir tun wollen an Veränderungen, müssen wir in diesem Moment tun", rät die Seelenärztin allen, die an sich und ihrem Leben feilen wollen. "Wenn man nur darüber spricht, dann wird nichts draus." Wie wäre es also, den Vorsatz mehr Bewegung, mehr frische Luft gleich in die gute Tat umzusetzen? Die Nord- und Ostseebäder laden ein, das Jahr geruhsam ausklingen zu lassen. An den Küsten sind noch jede Menge Betten frei. "Wir haben noch in jeder Ka- Auf Sylt und Amrum sind Böller wie alle Jahre verboten. Die Gefahr für Reetdachhäuser ist zu groß. tegorie Zimmer", sagt Karen Lange von der zentralen Zimmervermittlung in Scharbeutz. "Die Anfragen haben im Vergleich zu den Vorjahren deutlich nachgelassen." Neben gesunder Luft werden den Kurzurlaubern die Ostseetherme und einige Bälle in den Hotels geboten. Natur pur bietet das Ostseebad Dahme. "Wir sind ganz gut besucht, aber nicht ausgebucht", sagte Ulrike Spahr vom Kurbetrieb. "Auch an der Westküste gibt es in allen Preislagen noch freie Zimmer", so Silke Petersen, Geschäftsführerin des Nordseebäderverbandes. Sie empfiehlt Spontanurlaubern, sich an die zentralen Zimmervermittlungen zu wenden.*

Wer lieber zu Hause am Computer bleiben möchte: Zum Jahreswechsel wird über Internet der Klang der Silvesterglocken des Wiener Stephansdoms erstmals weltweit zu hören sein. Der Schlag der "Pummerin", der größten Glocke des 850 Jahre alten Wahrzeichens, läutet in Osterreich traditionell die Jahreswende em. Am Stephansplatz versammeln sich jedes Jahr Tausende wiener und Touristen.

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Für die Niederländer werden 1996 möglicherweise die Hochzeitsglocken läuten. Es wird die Verlobung von Kronprinz Willem Alexander und seiner bürgerlichen Freundin Emily Bremers erwartet. "Emily ist von Beatrix und Claus als künftige Schwiegertochter völlig akzeptiert", berichtete die Wochenzeitschrift "Weekend". Danach hatte sich der 28jährige Thronfolger schon in diesem Jahr verloben wollen. Königin Beatrix habe das aber verhindert. Sie habe Furcht vor "englischen Zuständen" und bestehe darauf, daß die 25jährige Emily das Leben am Hofe erst gründlich kennenlerne.

Und noch eine letzte Vorausschau: In Österreich darf der Bär los sein. Vom nächsten Jahr an sollen die zwei Dutzend in freier Wildbahn lebenden Braunbären in einem "Schutzprogramm" betreut werden. Zwölf Millionen Schilling (1,7 Millionen Mark) haben die Europäische Union, die Alpenrepublik und die Wildbiologische Gesellschaft München (WGM) dafür lockergemacht. Im vergangenen Jahr noch wurden zwei "Problem-Bären" abgeschossen, in Zukunft 5.0II Meister Petz unbehelligt in Österreichs Wäldern leben können.