Auch Peter Wapnewski gegen Annemarie Schimmel

Muliars Protest gefälscht

ap Frankfurt / Main - Peter Wapnewski, Mitglied des Stiftungsrats für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, hat der Preisträgerin Annemarie Schimmel einen Verzicht auf die Auszeichnung nahegelegt. In einem Interview mit der "Woche" (heutige Ausgabe) sagte der Germanist: "Vieüeicht hat Frau Schimmel ein geniales Gefühl für Timing und verzichtet erst ganz kurz vorher."

Der Börsenverein des Buchhandels wies darauf hin, daß der Stiftungsrat seine Entscheidung für Frau Schimmel mit sehr großer Mehrheit bestätigt habe. Etwa 100 Autoren hatten der renommierten Orientalistin übergroßes Verständnis für islamische Fundamentalisten und für das sogenannte Todesurteil gegen Salman Rushdie vorgeworfen. Wie verlautet, sollen sich nach einer Aussprache über die Vorwürfe zehn der elf Mitglieder des Stiftungsrats hinter Frau Schimmel gestellt haben.

Wapnewski sagte, nach dem Streit könne nur eine einzige Stellungnahme noch segenbringend

sein. Frau Schimmel sollte erklären: "Dem Friedenspreis ist, wenn nicht durch meine Schuld, so durch meine Person, zuviel geschehen; ich möchte dem Preis seine friedenstiftende Funktion belassen und gebe ihn also weiter an eine um Verständigung und Wohlfahrt bemühte Institution in Kairo, Jerusalem oder wo auch immer."

Unterdessen deckte die Wiener Zeitung "Der Standard" die Fälschung einer Unterschrift des Schauspielers Fritz Muüar unter einen Protestbrief auf. In einem Brief an Bundespräsident Roman Herzog und den Börsenverein war der Eindruck erweckt worden, Muliar habe den Protestbrief unterschrieben und handschriftlich hinzugefügt: "Gegen die geplante Schande".

Muliar erläuterte dem "Standard", ein angeblich für amnesty international arbeitender Anrufer habe ihm gesagt, diese Dame sei vorbehaltlos für die Hinrichtung von Rushdie. Darauf habe er dem Protestbrief zugestimmt, ihn aber nicht unterschrieben. Er trete von der Erklärung zurück.

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