Soziale Erhaltensverordnung auch in Barmbek-Süd und der südlichen NeustadtAber Spekulation wird nicht verhindert

Plan gegen "Schikimikisierung"

Von STEFANIE SIFFT

Der Hamburger Senat will Immobilien-Spekulanten das gewinnbringende Geschäft mit den Wohnungen erschweren: Eine Soziale Erhaltensverordnung, wie sie seit Januar in Eimsbüttel gilt, soll künftig auch in Barmbek-Süd / Uhlenhorst und der südlichen Neustadt die "Schickimickisierung" bremsen.

So will der Senat verhindern, daß angestammte Mieter durch teure Luxus-Modernisierung aus ihrer Wohnung vertrieben werden. "Die Entscheidung wird im Juli faüen", versichert Hubert Piske (SPD), der Vorsitzende des Stadtplanungs-Ausschusses im Bezirk Mitte.

Klaus Dressel, der in der Aktionsgemeinschaft südliche Neustadt seit Jahren gegen die ? Yuppiesierung" des Stadtteils kämpft, macht sich aber wenig Hoffnung. Denn: "Die Soziale Erhaltensverordnung ist ein stumpfes Schwert."

Sie steüt nur sicher, daß der Eigentümer seine Wohnung nicht auf Kosten des Mieters mit Marmorbad und Fußbodenheizung luxusmodernisiert. Die Erhaltensverordnung kann aber nicht verhindern, was viele Mieter fürchten: die Umwandlung ihrer Miet- in eine Eigentumswohnung.

Gerade im Quarree zwischen

Michel und Grüner + Jahr- Verlagshaus wird der Druck auf die Mieter immer größer. Charmante Jahrhundertwende-Bauten, die Nähe von Hafen und City machen das Viertel zum verlockenden Wohnquartier für einkommensstarke Yuppies. Das zieht auch Immobüien-Gewinnler an.

40 Prozent der rund 1900 Wohnungen in der südllchen Neustadt haben in den letzten acht Jahren den Eigentümer gewechselt, manche gleich mehrfach. In Barmbek-Süd / Uhlenhorst mit dem nahegelegenen Einkaufsund Geschäftszentrum Hamburger Straße ist mehr als jede fünfte der etwa 10 500 Wohnungen verkauft worden. Die Hamburger Firma F + B - Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt deutet das in ihrer Untersuchung über die Stadtteüe als "Hinweis aufwertsteigernde Veränderungs-Impulse". Denn meist seien es "ältere inaktive Einzeleigentümer", die verkauften. Gekauft wurden die Wohnungen in der Regel von Neuanlegern, Eigennutzern und Umwandlern.

Ein Beispiel für den spekulativen Deal: die mehr als 420 Wohnungen im Neustadt-Häuser- Dreieck Herrengraben, Pasmannstraße, Rehhoffstraße und in den Wohnanlagen an Eichholz und Rambachstraße. Innerhalb von vier Jahren verzeichnet das Grundbuchamt drei Besitzer. "Wir würden uns wünschen, daß die Stadt bei solchen Verkäufen ihr Vorkaufsrecht wahrnimmt und die Häuser an eine seriöse Gesellschaft weiterverkauft", sagt Dressler von der Aktionsgemeinschaft südllche Neustadt. Die Erhaltensverordnung gibt der Stadt die Mögllchkeit, beim Verkauf von Wohnungen in den Kaufvertrag einzusteigen, wenn sie dadurch Spekulationsgeschäfte auf Kosten der Mieter verhindern kann. Aber dafür gibt es im Hamburger Haushalt nur einen Fonds von fünf MüUonen Mark, und der muß für alle drei "geschützten" Gebiete reichen.

Für den CDU-Fraktions-Chef im Bezirk Mitte, Hartwig Kühlhorn, ist die Soziale Erhaltensverordnung deshalb "Augenwischerei". Da werde den Mietern vorgegaukelt, sie könnten sich in Sicherheit wiegen, kritisiert Kühlhorn. Selbst Bernd Meyer, Sprecher der Stadtentwicklungs-Behörde, nennt die Verordnung eine "Hilfskonstruktion" und bedauert, daß sich der Bundesgesetzgeber gegen ein klares Umwandlungs-Verbot querlegt.

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