Eine Lesbenkomödie in der Jungfilmer-Reihe "Wilde Herzen"

Wie sag ich 's Mutter?

Fernsehfilm: Kommt Mausl raus?l ARD, 20.15 Uhr

In einem westfälischen Kaff bei Dortmund. Ein kleines Mädchen klingelt an der Wohnungstür des Nachbarn und fragt: "Kommt Mausi raus?!" Mausi kommt nicht - wo sie wohl steckt? Die Sandkastenfreundin kann lange warten.

Mit dieser Szene beginnt der neue Film in der ARD-Reihe "Wilde Herzen", und die quengelige Kleinmädchen-Frage "Kommt Mausi raus? ! " ist gleichzeitig auch der Titel. Ein doppeldeutiger Titel, der für die Hauptperson die Richtung angibt, ehe der Film aus der Rückblende in die Gegenwart springt: Da sieht man plötzlich eine Zwanzigjährige mit rotgefärbten Haaren im Großstadt-Dschungel von Hamburg, dort, wohin sie vor sechs Monaten geflüchtet war. Denn Kati (Julia Richter), seit jeher Mausi genannt, war schon immer anders als die anderen im heimatlichen "Kuhdorf", nur konnte sie es dort nie ausleben: Sie ist lesbisch. Früher war's die Lehrerin, in die sie sich - heimlich, also unglücklich - verknallte, jetzt liebt sie Yumiko (Alexandra Wilcke). Alles könnte so schön sein - doch Kati hat ein Problem, das ihre neue Freundin mächtig stört: Nicht einmal in Hamburg steht sie öffentlich zu ihrem Lesbischsein. Diesmal will Yumiko, daß Mausi "rauskommt", aber das kann dauern, wieder einmal. Bis Mausi einsieht, daß es ein Ende haben muß mit dem Versteckspiel.

Das Zauberwort heißt "Coming out", also reist Mausi zurück in die westfälische Heimat und will es den anderen endlich zei- §en. Schließlich steht ja im Lesen-Ratgeber: "Wenn du es deiner Mutter gesagt hast, ist der Rest ein Kinderspiel." Doch es kommt anders - wenn's auch kein Trauerspiel wird, im Gegenteil: Nach allerlei einschlägigen Turbulenzen rund um die Dorfkirmes gibt es sogar ein richtiges Happy-End.

Das mußte sein für die 29 Jahre alte Nachwuchs-Autorin Angelina Maccarone, die selbst in einem "Kleinkaff" aufwuchs, ehe sie mit 19 nach Hamburg kam und dort das erste Mal näher mit Frauen zu tun hatte: "Ich wollte bewußt mit der trostlosen Tradition brechen, daß Lesben-Filme tragisch enden müssen." Was nicht heiße, daß ihr eigenes Coming-out einfach gewesen sei. Wie sag' ich 's meiner Mutter, meinen Geschwistern oder auch den Leuten, mit denen ich arbeite? Lauter Unwegsamkeiten, die sie zur Genüge selbst kennt und von denen auch der Film handelt.

Daß sie ihn beim NDR realisieren konnte, kam so: Vor drei Jahren gewann sie zusammen mit vier anderen Film- Autoren einen Kurzgeschichten-Wettbewerb der Hamburger Kulturbehörde, als Preis winkte die Teilnahme an einem Drehbuchseminar. Doris Heinze vom NDR-Fernsehspiel leitete das Seminar - und war sofort angetan von dem zehnseitigen Drehbuch-Treatment "KommtMausi raus?!", das Angelina Maccarone da einbrachte. "Mir war von Anfang an klar: Die Geschichte ist so witzig und so originell, sie gehört einfach auf einen 20.15-Uhr-Termin." Der Zufall wollte es dann, daß die ARD gerade dabei war, die Reihe "Wilde Herzen" einzurichten.

Angelina Maccarone schrieb übrigens nicht nur das Drehbuch, sie ist auch Co-Regisseurin. Den Stoff inszenierte sie gemeinsam mit Alexander Scherer, der bisher hauptsächlich Industriefilme gedreht hat.

ROLAND TIMM

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