Nach Bars-Niederlage: SPD Mitte muß neuen Kandidaten küren

Die Suche nach dem "Königsmörder"

Die SPD Mitte ist auf der Suche nach dem Bezirksabgeordneten aus den eigenen Reihen, der mit seiner Stimmenthaltung die Wahl seines Fraktionschefs Siegfried Bars zum Bezirksamtsleiter verhindert hat. Eine laut Bars aussichtslose Suche, die deshalb in die Suche nach einem neuen Kandidaten für die Nachfolge von Peter Reichel münden werde. "Nach derzeitigem Stand trete ich nicht mehr an."

Fraktionssprecher Boris Bochnick sprach von einer "Katastrophe, da die SPD gezeigt hat, daß sie von ihrer absoluten Mehrheit in entscheidenden Situationen keinen Gebrauch macht".

Der Vorsitzende der Bezirksversammlung, Helmut Hose (SPD), sprach von "menschlichem Versagen", über das er bisher "ergebnislos nachgedacht" habe. Dagegen sah der Bülstedter SPD- "istriktvorsitzende Heiner Biller einen "Wink, demokratischere Verfahren zu suchen und stärker auf andere zuzugehen". Eine Auffassung, die auch GAL und CDU teüten. Die Erklärung für die überraschende Bars-Niederlage wurde parteiübergreifend m "persönlichen Aversionen" gesehen.

Bars erklärte, für andere "Findungsverfahren und Kandidaten offen" zu sein. Doch genannt wurden nur die Bars- Konkurrenten aus dem Vorfeld der Bezirksamtsleiterwahlen: die Wilhelmsburger Ortsamtsleiterin Heike Severin, der Bezirksabgeordnete Hubert Piske und der Horner Bürgerschaftsabgeordete Peter Kämmerer.

Bochnick gab Frau Severin, die im Bezirk Harburg amtiert, wenig Chancen. "Kreisvorstand und Fraktion werden durchaus einen Kandidaten aus dem Bezirk Mitte finden können." Doch damit steigen auch die Chancen Piskes und Kämmerers nicht: Piske, mit seinen 57 Jahren als Kandidat der Jugend gehandelt, hatte bereits un Vorfeld aufgegeben, als ihm eben diese Jugend um den Bezirksabgeordneten Johannes Kahrs die Unterstützung versagte.

Kämmerer hatte sich den Unmut von Grete Kleist zugezogen, weil er der SPD-Distrikt-Vorsitzenden von St. Pauli-Süd den Erotic-Art-Museumschef Claus Becker ins Nest setzen wollte: Becker sollte als neues Partei-Mitglied Grete Kleists Distrikt erneuern. ' \

Frau Kleist weigerte sich, Becker aufzunehmen, der klagte dagegen. Bisher ohne Erfolg. Frau Kleist müßte im Fraktionsvorstand, ihr Mann Ingo im SPD-Kreisvorstand der Kandidatur Kämmerers zustimmen.

Doch auch Piske steckt in einem Dilemma: Als Bezirksabgeordneter konnte Piske selbst es gewesen sein, der mit seiner Enthaltung das Aus für Bars bewirkt hat. Er stünde als "Königsmörder" da.

Außerdem, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, war er im Vorfeld nicht nur wegen seiner Zugänglichkeit, sondern auch wegen seines Alters der "Kandidat der Jugend": Der im Februar 58 Jahre alt werdende Piske hätte wesentlich kürzere Zeit amtiert als es vom 45jährigen Bars zu erwarten gewesen wäre. Der Generationswechsel in der Partei hätte so leichter auf das Bezirksamt übertragen werden können. Ein Bezirksamtsleiter amtiert sechs Jahre, er kann beliebig oft wiedergewählt werden.

Die Kür eines neuen Kandidaten wird schwierig werden für die SPD Mitte. Denn Bars war der Mann ihres starken Mannes, des Bausenators und stellvertretenden Kreisvorsitzenden Eugen Wagner. Die Amtszeit von Reichel, der wie Bars und Wagner auf Finkenwerder wohnt, läuft am 31. März aus. Daß diese räumliche Verbundenheit der drei die Kandidatenkür maßgeblich beeinflußte, wird von der SPD sicher nicht zu Unrecht hartnäckig dementiert: alle drei stehen vor allem für den rechten Flügel. Sollte bis Ende März kein Bezirksamtsleiter gewählt sein, übernimmt Rechtsdezernent Georg Cramer die Geschäfte. axö

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