Vorfahrt für Radfahrer

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Neues Hamburger Verkehrskonzept

rup Hamburg - In Hamburg sollen Radfahrer mehr Platz im Straßenverkehr bekommen. Die Stadt will verstärkt Radstreifen auf den Fahrbahnen abtrennen. Geplant sind auch Fahrradstraßen, in denen Autos höchstens Tempo 25 fahren dürfen. Radlern soll häufiger als bisher erlaubt werden, Einbahnstraßen in ent- Segengesetzter Richtung zu enutzen.

Das alles sieht das neue Radverkehrskonzept der Baubehörde vor, das im Amtsdeutsch PLAST (Planungshinweise für Stadtstraßen) heißt. Es bildet die Planungsgrundlage für die Verkehrsabteüungen der sieben Hamburger Bezirke. "Das ist jetzt das Handwerkszeug für jeden Planer", sagte Bau- und Verkehrssenator Eugen Wagner (SPD) gestern bei der PLAST- Vorstellung. "Die Bezirke können nun die Pedale drücken."

Insgesamt verfügt Hamburg über 2100 Kilometer Radwege. 17 Straßen haben bisher Fahrradstreifen von zusammen elf Kilometer Länge. Dabei werden am Straßenrand 1,60 breite Streifen mit einer durchgehenden wei- ßen Linie für Radler abgetrennt - die verbleibende Fahrbahn für die Autos verengt sich entsprechend.

Jüngstes - und umstrittenes - Beispiel für Fahrradstreifen ist die Hochallee (Harvestehude). Weitere solche den Radfahrern vorbehaltene Fahrbahnabtrennungen sind zum Beispiel in der Neustadt an der Stadthausbrükke (Seite Baubehörde) und in Wandsbek an der Ritterstraße feplant. Fahrrad streifen sollen 'norität gegenüber dem Neubau von Radwegen erhalten. Darüber hinaus sind auch "Angebotsstreifen" für Radfahrer in der Überlegung. Sie werden mit gestrichelter Linie auf dem Stra- Senpflaster markiert. Die Benutzung wird empfohlen, ist aber nicht vorgeschrieben. Autos dürfen die Linie notfalls überfahren. "Angebotsstreifen" sind in der Straßenverkehrsordnung bisher nicht vorgesehen, werden jedoch in Bonn und Freiburg schon getestet.

Über Fahrradstraßen (Mindestbreite: 7.80 Meter) sagt PLAST: Sie "bieten sich durch einfache Herstellung als wirksame (Sofort-)Maßnahme an." Nach Angaben der Baubehörde sind Fahrradstraßen im Uni- Viertel "angedacht".

Ziel der Neuerungen ist es nach den Worten von Senator Wagner, den Radverkehr sicherer und attraktiver zu machen. Dazu werden auch eigene Radfahrspuren zum Linksabbiegen angelegt. Künftig sollen keine gemeinsamen Geh- und Radwege mehr gebaut werden. Jedoch: Fußgängerzonen sollen, wenn sie nicht sehr belebt smd, für Fahrräder freigegeben werden. Zumindest abends und nachts, fordern Vertreter von Radfahrer- Organisationen, die im Fahrradbeirat der Baubehörde an den neuen Richtlinien mitgearbeitet haben.

PLAST sei "ein wichtiger Baustein, Hamburg zu einer fahrradfreundhchen Stadt zu machen", sagte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club.

"Wir versprechen uns hohen Sicherheitsgewinn", lobte der Verkehrsclub Deutschland das Konzept.

Der ADAC warnte, die Förderung des Radverkehrs dürfe nicht einseitig zu Lasten des Autoverkehrs eehen.

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