Football: Blue Devils unterlagen Nordic Vikings 35:43

Rekord im Regen

Von STEFAN RECKZIEGEL Hamburg - Hinter der Ostkurve des Volksparkstadions stiegen Raketen in den wolkenverhangenen Abendhimmel. Doch weder die Stockholm Nordic Vikings noch die Hamburg Blue Devils hatten Bücke für das Feuerwerk. Während die "Wikinger" für das Siegerfoto posierten, schlichen die "Teufel" mit hängenden Köpfen vom Feld.

Für die Knalleffekte hatten zuvor ohnehin die Schweden gesorgt. Die Blue Devüs unterlagen den Nordic Vikings im Finale der "Football League of Europe" mit 35:43 (13:22). Daß die europäische Rekord-Kulisse von 18 000 Fans trotz Hamburger Herbst- Regens für Stimmung sorgte, war nur ein schwacher Trost.

"Ich hätte gern meinen ersten Titel gewonnen", sprach Offense Guard Rolf Gerhold (35) für sich und die Mitspieler. Während Gerhold mit Verdacht auf Gehirnerschütterung und ausgerenktem Kiefer vom Feld mußte, fehlte anderen der echte Biß.

Statt dessen ragten Stockholms enorm wurfstarker Quarterback Tim Peterson, der dank vier Touchdown-Pässen zum "Most Valuable Player" gewählt wurde, und US-Landsmann Doug Banks mit drei Touchdowns (18 Punkte) heraus. Das konstanteste Team der Saison (ll:l-Siege) mit dem stärksten Angriff gewann, well es nicht nur fürs Foto als Mannschaft auftrat.

"Wir haben eine schwere Saison mit viel Unruhe hinter uns",

sagte Bobby Brown (24), mit 14 Punkten und 19 Tbuchdowns in 1994 bester Angreifer der Devüs. Seine Läufe in die Endzone beim Stand von 21:43 kamen aber zu spät; Wulf, lue und von Garnier gelang je ein Touchdown.

Individuelle Fehler und Coaching-Chaos hatten für "teuflische" Konfusion gesorgt. Siebenmal bot die Defense zwölf statt elf Spieler auf. Die Folge: Raumstrafen gegen die Devüs. "Man darf dem Gegner nicht so viele Chancen geben", erregte sich Ronnie Cunningham (26). Der schnelle US-Boy half im letzten Spiel auch in der Abwehr aus. Nach drei Jahren "Entwicklungshüfe" in Hamburg wurde er von den Fans mit Blumen und Briefen bedacht, von seinen Mitspielern erhielt er sein Trikot mit der Nummer 24 im Glaskasten.

Das Team steht ohnehin vor einem Umbruch, wie Devüs- Chef Axel Gernert einräumte. Bereits gestern flog Head Coach George White (58) zurück nach San Francisco. Ob er zurückkehrt, ist ebenso offen wie beim Defense Coach Gary Atcheverry. Fest steht, daß zwei weitere US- Boys Hamburg verlasssen: Quarterback Bob Jones (23), der im Team wenig Rückhalt hat, und Craig Hartley (24). Der Abwehrspieler erlebte diesmal schon beim Singen der Nationalhyme (ungewoüte) Höhen und Tiefen.

Dennoch versprach Europaliga-Gründer Gernert: "Im nächsten Jahr wird alles noch größer und noch besser." Die zweite Saison soll Ende Mai 1995 beginnen.

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