Europaliga-Finale: Hamburg Blue Devils gegen Stockholm Nordic Vikings

Harter Kampf um die Football-Zone Deutschland

Der Rahmen konnte nicht amerikanischer sein: Ein 25 Meter langer und vier Meter hoher Tunnel wie er auch bei der "Superbowl", dem Endspiel der US-Profiüga NFL, errichtet wird, weist den Spielern den Weg auf den Rasen des Volksparkstadions. Und ein neun Meter hoher, aufblasbarer Helm steht in der Kurve als Symbol der Hamburg Blue Devils.

Die "Blauen Teufel" scheinen für das Finale der "Football Leafue of Europe" (FLE) gegen die tockholm Nordic Vikmgs morgen um 19.30 Uhr (Pregame- Showab 18. 15 Uhr) bestens gerüstet. Da rund 15 000 Fans zu erwarten sind, werden erstmals in dieser Saison Haupt- und Südtribüne geöffnet.

Eine Premieren-Saison mit Hindernissen. Nachdem im April die Widerstände des deutschen Verbandes gegen die Europaliga überwunden waren, stockte der Geldfluß für die FLE (Etat: fünf Millionen Mark).

"Die finanziellen Probleme haben wir in den Griff bekommen", sagt Blue-Devils-Chef und FLE- Gründer Axel Gernert. Dem Sparkurs fielen jedoch zwei Spiele zum Opfer - beide für die Play-offs ohne Bedeutung. Das Liga-Defizit sei, so Gernert, nicht so groß, daß es den Betrieb 1995 behindern würde. 1996 heißt das Ziel dann Gewinn-Maximierung.

Auch für die Amerikaner verspricht die Football-Zone Deutschland in Europa am meisten Profit. Die 1992 eingestellte World League erlebt im April mit Hilfe der NFL und des Medien- Moguls Rupert Murdoch ein Comeback. Für zehn Millionen Mark entstehen sechs Teams, darunter Düsseldorf Rhein-Fire und Frankfurt Galaxy.

"Eine Ergänzung nach oben", findet Gernert, "wie in den USA College- und Profi-Football." Während in der World League je 35 US-Cracks importiert werden und sieben bis acht Europäer sowie drei Einheimische die Teams komplettieren, verursacht das FLE-Modell weniger Kosten. Die acht Amerikaner pro Kader, zumeist ehemalige College-Spieler, haben auch die Funktion von "Entwicklungshelfern". Den Stamm bilden einheimische Spieler. Gernert: "Local heroes, das erhöht die Identifikation." Nicht nur Paß-Empfänger Max von Garnier, Running Back Dragan Milasinovic, Tight End Wolfgang Müller oder Defense Tackle Ole Meine sind stärker geworden, auch ihre Anhängerschaft. Hinter dem FC St. Pauli und dem HSV sind die Blue Devils bereits die drittpopulärste Mannschaft unter den 14- bis 33jährigen Hamburgern. 1994 stieg der Besucherschnitt auf 9200.

Sheffield mit den Great Britain Spartans (5000) und Stockholm (4000) folgen mit Abstand, erst mit

dahinter rangieren den Frankfurt Gamblers (3300) und Halbfinalist Munich Thunder (2700) weitere deutsche Teams. Zusätzliche Anfragen für 1995 kommen aber aus London, Aixen-Provence, Cannes und Wien.

Daß mit den Nordic Vikings und Blue Devils, Erster und Zweiter der Nord-Gruppe, die angriffsstärksten Teams im Finale stehen, beweisen die Gruppen-Ergebnisse: 35:24 und 44:59 aus Sicht der Hamburger. Der erste FLE-Champion wird gegen 22.40 Uhr mit der "Jim-Thorpe- Thrbphäe" geehrt, benannt nach dem Zehnkampf-Olympiasieger von 1912. Übrigens ein amerikanischer, nicht etwa ein europäischer Footbaü-Pionier.

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