Zoll-Dienststelle wird aus der City nach Rahlstedt verlegt

Fahnder auf dem Abstellgleis

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Hamburger Zollfahnder schlagen Alarm. Die Dienststelle wird derzeit vom Alten Wandrahm in der Speicherstadt in die Graf-Goltz-Kaserne nach Rahlstedt verlegt. Der Grund: Unterschiedliche Sachgebiete des Zollfahndungsamts mußten bereits aus dem überfüllten Gebäude ausgegliedert werden.

Die Dienststellen sollen in Rahlstedt wieder unter ein Dach. "Mit diesem Umzug können wir unsere Arbeit praktisch einstellen", klagen die Fahnder. Lange Wege und die Entfernung von den meisten Einsatzorten machten eine erfolgreiche Arbeit unmögüch.

Bei einer Weihnachtsfeier der Zollfahnder informierte sich gestern der Staatssekretär im Bundesfmanzministerium, Jürgen Echternach (CDU), über die Probleme der Zollfahnder. "Wenn der Umzug zu Lasten der Effizienz gehen sollte, muß die Verwaltung flexibel sein und die Zollfahndung wieder in der Innenstadt unterbringen", sagte Echternach im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt.

Ermittlungen werden

stark behindert

Zollfahnder bekämpfen internationale Wirtechaftskriminaütät und decken jährüch Betrugs- und Schmuggelfälle in Müüonenhöhe auf. Der Umzug dränge sie "an die Peripherie", sagte ein Beamter. Denn die Graf-Goltz-Kaserne steht am Rand ihres Einsatzgebiets, das hauptsächlich im Hamburger Hafen und im Stadtkern üegt und bis nach Cuxhaven reicht. "Wir haben keine Schreibmaschinen, keine Computer und müßten wegen jeder Akte in die Stadt fahren." Das alles ist am Alten Wandrahm kein Problem. Die Entfernungen zu Tatorten und anderen Dienststellen läßt sich in den meisten Fällen zu Fuß zurücklegen. Die Zollfahnder fühlen sich abgeschoben. "Dahinter steckt System", vermuten sie. Einer der Gründe könnte in der geplanten Neuorganisation des Zolls hegen. Das würde bedeuten: Die Zollämter bleiben organisatorisch bei der Oberfinanzdirektion (OFD) Hamburg, die Fahnder unterstehen dann dem Zoükriminalamt (ZKA) in Köln. Und die OFD - so die Fahnder - wolle sich vorsorghch die besten Standorte sichern. Die Beamten fühlen sich abgeschoben

Nach Auskunft der OFD Hamburg hat das Bundesfinanzministerium in Bonn den Umzug nach Rahlstedt zu verantworten. Doch davon ist Echternach nichts bekannt: "Das wurde zumindest nicht auf der poütischen Leitungsebene entschieden."

Auch in der Zollverwaltung gut der Umzug als "unnötig und unglücküch". Die Fahndung gehöre in die Innenstadt, angesichts der Zunahme im Schmuggel- und Rauschgiftbereich sei der Umzug "um so schlimmer". Die langen Wege gingen "zu Lasten der Effizienz des Personaleinsatzes und seien deshalb unwirtschaftlich", heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Nach einer anonymen Anzeige ist der "Schüdbürgerstreich", wie Jens Hnyk von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Transport und Verkehr (OTV) den Umzug einmal bezeichnete, jetzt zum Fall für den Bundesrechnungshof geworden.

Zwar gut prinzipieü: Bundesbehörden soüen in Bundeshegenschaften untergebracht werden. Aber macht das aus Kostengründen überhaupt Sinn? Die Umbauarbeiten der Kaserne in Büros könnten mögücherweise zu teuer werden. Außerdem betrage der ürsprüngüch mit sechs Millionen Mark angenommene Wert der Kaserne - je nach Nutzung und Bebauung - ein Vielfaches: bis zu 300 Millionen Mark, wenn auf dem Gelände Wohnungen gebaut würden.

Das ist nur auf einem Teü des Geländes geplant. "Eme optimale Lösung wurde im Zuständigkeitsgerangel zwischen Bund und Land zerrieben", sagte ein hoher Beamter der Zollverwaltung.

Die Zeit drängt, die Hälfte des Zollfahndungsamts sitzt bereits in Rahlstedt. Nach Auskunft von Rolf Zabel, Chef der Zollfahnder, seien durch den Umzug bislang zwar Ermittlungen erschwert, aber nicht unmögüch geworden.

au/ml

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