Noch 1993 mehr als 100 Unternehmen aus der Volksrepublik in Hamburg

Die Chinesen kommen

stü Hamburg - Hamburg wird zum Europa-Zentrum für Unternehmen aus der Volksrepublik China. Mehr als 80 chinesische Firmen haben sich bereits in der Stadt angesiedelt. Allein seit August dieses Jahres haben nach Angaben der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF) zehn weitere Unternehmen zugesagt, daß sie Repräsentanzen in Hamburg eröffnen wollen - darunter auch der Spielwarenhersteller Shanghai Toys, der Bekleidungshersteller Shanghai Textil sowie der Kunst- und Geschenkeartikelanbieter Shanghai Arts und Crafts.

"1993 werden wir die Hunderter-Marke überschritten haben", sagt Horst Burgeleit, Projektdirektor China bei der HWF, zum Abendblatt. "Größter Erfolg der vergangenen Wochen ist die Ansiedlung der Bank of China", sagt Burgeleit. Fünf Jahre lang hatten sich die Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft und auch Hamburger Politiker um eine Filiale des Geldinstituts in Hamburg bemüht. Im Januar bezieht die Bank ihre Geschäftsräume am Rathausmarkt.

Hamburg hat frühzeitig auf die Öffnung Chinas in Richtung Westen reagiert, begründet Burgeleit das Interesse der Volksrepublik an der Hansestadt. "Die erste Ansiedlung einer chinesischen Außenhandelsgesellschaft erfolgte bereits 1978. Mit 80 Unternehmen hat Hamburg heute mehr Firmen aus der VR China als jede andere europäische Stadt."

Infolge der Ansiedlungsbemühungen Hamburgs hat sich der deutsch-chinesische Handel innerhalb von fünf Jahren nach Angaben des Ostasiatischen Vereins, Hamburg, auf der Importseite (vor allem Textilien und Spielwaren kommen aus China nach Deutschland) nahezu verdreifacht auf 11,5 Milliarden Mark bis Ende 1992. Der Export von Deutschland nach China (vorwiegend Maschinen, Elektrotechnik und Anlagen) ist mit 5,1 Milliarden Mark im gleichen Zeitraum nahezu gleich geblieben.

Das soll sich ietzt ändern. Wie Burgeleit dem Abendblatt sagte, kommen immer mehr chinesische Firmen nach Hamburg, um von hier aus Maschinen in die Volksrepublik einzuführen. Als Beispiel nennt er die Handelsgesellschaften Cinatex (Textilien) und Sinochem (chemische Grundstoffe).

Einen Schub für den Hamburger Hafen verspricht sich Burgeleit zudem von der Automobil Investment Trading (ATD, einem neugegründeten Joint Venture dreier chinesischer Firmen, das sich in Hamburg niederlassen will. Die chinesische Gesellschaft will den Transport von Teilen für die VW-Produktion in China über den Hamburger Hafen abwickeln.

"Hamburg wird die Drehscheibe zwischen Wolfsburg und China", sagt Burgeleit. Die Volkswagen AG baut ihre Produktion der Modelle Santana, Jetta und Audi in der Volksrepublik kräftig aus. Die jährlich hergestellte Stückzahl soll bis Mitte der 90er Jahre von jetzt knapp 70 000 auf mehr als 300 000 Wagen steigen.