Die Chronik des Schreckens

Von S. KNAUER-RUNGE ap Berlin - Eine blutige Spur von Haß und Gewalt gegen Fremde zieht sich durch die gerade zweijährige Geschichte des vereinigten Deutschlands. In dem Mitte August vorgelegten

Verfassungsschutzbericht spricht die Bundesregierung von einer "Brutalität neonationalsozialistischer Gruppen und Einzeltäter", die bei gewaltsamen Angriffen gegen Fremde, insbesondere gegen Asylbewerberunterkünfte zugenommmen habe. Hier die Schreckens-Chronik seit der deutschen Vereinigung:

November 1990 - Etwa 50 Skinheads greifen mehrere Afrikaner in einer Diskothek in Eberswalde-Finow an. Der Angolaner Amadeu Antonio Kiowa stirbt. Die Verantwortlichen stehen zur Zeit vor Gericht.

März 1991 - Der Mosambikaner Jorge Gomodai wird am Ostersonnabend in Dresden von Skins aus einer fahrenden Stra- ßenbahn geworfen und stirbt.

April 1991 - Asylbewerber fliehen nach gewaltättigen Ausschreitungen aus mehreren ostdeutschen Aufnahmelagern nach Schwalbach in Hessen.

Mai 1991 - Acht Jugendliche überfallen in Zittau ein Ferienheim, in dem strahlengeschädigte Kinder aus Tschernobyl unterfebracht sind. Ebenfalls im Mai 991 stürmen 15 Jugendliche im brandenburgischen Wittenberge die Wohnungen von Namibiern, zwei junge Namibier stürzen aus dem vierten Stockwerk.

Juni 1991 - Die rechtsradikale Szene Dresdens mit etwa 350 Mann liefert sich Straßenschlachten mit Zuhältern. Neonaziführer Rainer Sonntag wird erschossen.

Juli 1991 - 50 Skinheads überfallen ein Asylbewerberheim in Magdeburg. Ein Araber wird schwer verletzt.

August 1991 - Brandanschlag auf das Asylbewerberheim Aschersleben bei Magdeburg.

September 1991 - Das Ausländerwohnheim von Hoyerswerda ist tagelang Ziel beispielloser rechtsradikaler Angriffe. Skinheads und Neonazis liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Erstmals wird auch unverhohlene Sympathie der Anwohner für die Randalierer deutlich.

Oktober 1991 - Am Jahrestag der deutschen Einheit schlagen Rechtsradikale in zahlreichen Gemeinden West- und Ostdeutschlands wieder zu. Im niederrheinischen Hünxe werden vier libanesische Flüchtlingskinder bei Brandanschlägen schwer verletzt. Im badischen Brühl greifen Skinheads auf einem Volksfest Nigerianer an und verletzten einen schwer. In Gotha werden vier Sowjet-Soldaten überwältigt und aus dem Fenster einer Wohnung geworfen.

November 1991 - 200 Berliner Hooligans randalieren nach einem Fußballspiel in Greifswald und greifen ein Asylbewerberheim an. 35 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Die Asylbewerber fliehen nach Norderstedt. Drei Jugendliche schie- ßen in Weimar aus einer Wohnung heraus auf einen Mosambikaner und verletzen ihn. In Leipzig werden zwei vietnamesische Familien in ihren Wohnungen überfallen und brutal mißhandelt.

Januar 1992 - In Haldensleben bei Magdeburg beschießen Unbekannte in der Sylvesternacht ein Asylbewerberheim. In mehreren thüringischen Städten überfallen Skinheads verschiedene Jugendklubs.

Mai 1992 - Skinheads schlafen in Berlin einen Schwarzen rankenhausreif. In Magdeburg überfallen Rechtsradikale eine Geburtstagsfeier und verletzen fünf Menschen. Ein junger Mann erliegt seinen Verletzungen.

Juni 1992 - Nach einer Veranstaltung der rechtsextremen DVU in Rostock liefern sich Skinheads und linke Demonstranten eine Straßenschlacht.

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