Anwohner fordern eine autofreie Zone

"Macht endlich den Mühlenkamp dicht

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"Der Mühlenkamp in Winterhude soll autofreie Zone werden", das forderte bei einer Anwohnerversammlung im Goldbekhaus die Bürgerinitiative Verkehrsplenum. Vor etwa 70 Bürgern stellte das Plenum sein Konzept für den Mühlenkamp und die umliegenden Straßen vor, das am kommenden Montag in einem Ausschuß der Bezirksversammlung verhandelt wird.

Die 25 Mitglieder des Plenums wollen mit ihrem Modell vor allem den Durchgangsverkehr vom Mühlenkamp verbannen. Täglich mehr als 30 000 Autos bewegen sich nach Schätzungen der Initiative vom Poelchaukamp zur Gertigstraße wie durch ein Nadelöhr in den Mühlenkamp. Zwei große Verkehrsströme treffen sich hier, in denen die Autofahrer die Alster im Norden überqueren: Die einen drängen in den Hofweg zur Innenstadt, die anderen von der Alster in Richtung Barmbek. Zusätzlich schlängeln sichRadfahrer im Slalom an den Autos vorbei, versperren parkende Pkw in zweiter Reihe die Fahrbahn, bleiben Busse im Verkehr stecken. "Diese Situation ist unerträglich", sagt Michael Tilgner vom Plenum.

Daher müsse der Mühlenkamp zwischen Preystraße und Gertigstraße für Autos geschlossen werden. Die Fahrzeuge sollen über Sierichstraße und Barmbeker Straße umgeleitet werden.

Frei bleibt die Straße nach den Anwohner- Vorstellungen für die Buslinien 106 und 108, für die eine Busspur eingerichtet werden soll. Eine neue Buslinie von Dehnhaide über den Mühlenkamp ins Uni- Viertel soll Autofahrer zum Umsteigen auf den Bus bewegen. Ansonsten dürfen nach den Vorstellungen des Plenums nur noch Fahrräder und Fußgänger die Straße nutzen.

Gegen diese Forderung richten sich die Kritik am Konzept. Die Interessengemeinschaft der Fachgeschäfte um den Mühlenkamp fürchtet Umsatz-Einbu- ßen für die Gewerbetreibenden. ?Es gibt Geschäfte, die zu 100 Prozent von den Kunden mit

dem Auto besucht werden", sagt Hans-Jürgen Kuc, Sprecher der Gewerbetreibenden. "Mehr Parkplätze und der Bau von Tiefgaragen würden die Lage auch entschärfen." Unterstützt werden die Geschäftsleute von der Handelskammer. "Die Verkehrsberuhigung im Mühlenkamp verlagert das Problem nur auf umliegende Straßen", sagt Jutta Thormann, Geschäftsführerin der Kammer. "Bevor man Stra- ßen dichtmacht, müssen erst genaue Daten über die Folgen gesammelt werden."

Ähnlich argumentiert die CDU. "Eine totale Schließung des Mühlenkamps werden wir sicher nicht vertreten", erklärte die verkehrspolitische Sprecherin der CDU im Bezirk Nord, Bettina Machaczek. "Das Problem liegt beim Senat, der ein Konzept für den Verkehr nördlich der Alster erarbeiten muß." pen

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