Oppermann triumphiert gegen Kaufhof

af Hamburg - Im Streit zwischen der Kaufhof-Holding AG, Köln, und dem Geschäftsmann Jürgen Oppermann hat der Kölner Warenhaus-Konzern jetzt eine Niederlage einstecken müssen. Das Landgericht Hamburg wies gestern in der ersten Instanz die Klage auf Schadenersatz gegen Oppermann zurück und verurteilte Kaufhof dazu, die Prozeßkosten in vollem Umfang zu tragen.

Kaufhof hatte Oppermann auf Schadenersatz in Höhe von 170 Millionen Mark verklagt. Grund: Der Konzern hatte im August 1989 für 338 Millionen Mark die Mehrheit an der Oppermann Versand AG, Neumünster, erworben. Nachdem sich jedoch bereits einen Monat nach dem

Kauf herausgestellt hatte, daß der Versand statt der vorausgesagten Gewinne drastische Verluste einfuhr, die sich in den folgenden Jahren noch vergrößerten, erhob Kaufhof im Mai 1991 Klage gegen Oppermann. Die Kölner sahen sich von Opperman über die zukünftige Entwicklung des Werbeartikel- Versenders getäuscht und warfen ihm in einem Gutachten zudem vor, im Jahresabschluß 1988 Überbewertungen des Warenlagers in Höhe von 17,1 Millionen Mark festgeschrieben zu haben.

Während Jürgen Oppermann gestern nach dem Urteil die Behauptungen der Kaufhof-Holding AG als "völlig haltlos" erwiesen sah, kündigte ein Kaufhof-Sprecher an, daß der Konzern "selbstverständlich" in die Berufung gehen werde. Das Urteil sei "wenig überzeugend".

Seit der Kaufhof die Mehrheit von 61,5 Prozent bei der Oppermann Versand AG hält, befindet sich das Unternehmen in einer Talfahrt. 1990 verbuchte der zuvor florierende Versandhandel 24,5 Millionen Mark Verlust. Für 1991 rechnet Jürgen Oppermann mit einem Verlust von 40 Millionen Mark. Dies sei die "logische Folge der insgesamt verfehlten Unternehmenpolitik des Großaktionärs", also der Kaufhof-Holding-AG. Es sei falsch gewesen, den Vorstand völlig auszuwechseln und die "erfolgreiche Marktstrategie" über Bord zu werfen. Außerdem sei die Lieferfähigkeit drastisch zurückgegangen.

Die Zukunft der Oppermann Versand AG, die rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt, sieht Jürgen Oppermann skeptisch: "Wenn es so weitergeht, muß sie pleite gehen." Diese Einschätzung wies Werner Henning, Vorstands-Mitglied der Oppermann Versand AG, gegenüber dem Abendblatt zurück. An der Hamburger Börse notierte das Unternehmen, das 1988 mit einen Ausgabekurs von 685 Mark an die Börse gegangen war, gestern bei 139 Mark.

Vor dem Oberlandesgericht Schleswig läuft in zweiter Instanz ein Rechtsstreit zwischen Aufsichtsrat und Vorstand der Oppermann Versand AG. In diesem Verfahren hatte die erste Instanz entschieden, daß die Jahresbilanz 1988 nichtig sei.

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