Das Behörden-Gerangel um Verkehrsberuhigung der City beginnt

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Bausenator Eugen Wagner (SPD) hat einen Vorstoß zur Erweiterung der Fußgängerzonen und Verkehrsberuhigung in der Innenstadt gestartet. Drei Wochen, nachdem seine Behörde die Verkehrsplanung an die neugeschaffene Stadtentwicklungsbehörde (STEB) abgeben mußte, überraschte Wagner seine Senatskollegen mit Vorschlägen zur dauerhaften Umgestaltung der City. Die 32-Seiten-Drucksache soll der Senat nach dem Willen Wagners am 10. Dezember beraten und bereits erste Maßnahmen beschließen.

Das 40-Millionen-Mark-Paket, das von März 1993 an reallsiert werden soll, sieht vor, die Mönckebergstraße zu einer "Kommunaltrasse" umzuwidmen. Das, bedeutet, daß künftig nur Linieife busse, Taxen (maximal 25 Sturig

denküometer) und Radfahrer zugelassen sind. Die Straßen Lange Mühren, Barkhof, Jakobikirchhof und Speersort sollen Fußgängerzonen werden.

In einer Reihe weiterer Straßen sollen nach dem Vorschlag der Baubehörde "verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche" (Höchstgeschwindigkeit 20 Stundenkilometer) entstehen: Bergstraße, Alstertor, Hermannstraße, Plan, Neuer Wall, Große Bleichen, Poststraße und Bleichenbrücke. Das Ziel Wagners ist dabei, den ruhenden Verkehr weitgehend aus diesen Gebieten zu verdrängen.

Parkplatzsuchende sollen in Parkhäuser umgeleitet werden. Die Lieferzeitbegrenzung auf elf Uhr vormittags will Eugen Wagner beibehalten. Den Vorschlag! der Bezirksversammlung Mitte, (Kft, ; ?>?-??????

auch den Jungfernstieg zwischen Ballindamm und Neuer Jungfernstieg in das Konzept einzubeziehen, lehnt der Bausenator ab.

Mit ihren Vorschlägen bleibt die Baubehörde deutlich hinter den Empfehlungen des Gutachtens aus dem Hannoveraner Ingenieur-Büro Schnull zurück. Das Büro hatte den Modellversuch autofreie Innenstadt vom Dezember 1990 ausgewertet und vor allem auch für die Straßen Fußgängerzonen vorgeschlagen, die nach dem Willen der Baubehörde jetzt nur "verkehrsberuhigt" werden sollen.

Mit deutlicher Zurückhaltung reagierte die Stadtentwicklungsbehörde auf den Vorstoß Wagners. Kein Wunder: In dem Terminplan, den Senator Wagner sei- *ner Drucksache angehängt hat, ' taucht das Wort Stadtentwidtlungsbehörde nicht aut. Dort heißt es lediglich allgemein, daß die "fachliche Abstimmung mit den Beteiligten" im Dezember beginnen soll.

Renee Culemann, Sprecherin der Stadtentwicklungssenatorin Traute Müller (SPD), setzt die Prioritäten genau anders herum. "In der STEB wird ein Gesamtverkehrskonzept erarbeitet, in das die Ergebnisse des Modellversuchs mit einfließen werden. Bis zur Durchführung bedarf es weiterer Gespräche mit den beteiligten Behörden." Die Verkehrsberuhigung sei ein "guter erster Schritt". In Details könne es allerdings noch Änderungen geben.

Ulf Kalkmann, der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandesy hält die Pläne der Baubehörde für akzeptabel. * "Der Verkehr wird nicht völlig aus der Innenstadt herausgenommen, wie wir befürchtet hatten. Tempo 20 für Autos - das ist ein Kompromiß, mit dem wir leben können."

Auch die Handelskammer sieht eine positive Tendenz. "Der Vorschlag zeigt, daß die Baubehörde guten Willens ist, in die Richtung zu marschieren, die die Wirtschaft als konsensfähig erachtet", sagte der mitverantwortliche Geschäftsführer der Abteilung Verkehr der Handelskammer, Günter Dorigoni.

Die Zauberformel heiße "verkehrsberuhigter Geschäftsbereich". Dadurch würden die Stra- ßen der City für den gebietsfremden Verkehr unattraktiv, während der Einkaufs-, Liefer- und Wirtschaftsverkehr weiter anfahren könnten. ~ pum/bn * kitäp^-:- " " -'? "???' ''?:'

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