Die Situation in Hamburg und anderen Städten

Autofreie City - noch Illusion

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Hamburg wird in der Vorweihnachtszeit voraussichtlich nicht mehr Fußgänger- Zonen haben als im vergangenen Jahr. Eine endgültige Entscheidung, von wann an und wo die Hamburger City für den Privatverkehr gesperrt werden wird, fällt in der kommenden Woche.

Während der Sprecher der Baubehörde, Jürgen Asmussen, "nicht in die laufenden Entscheidungen eingreifen" wollte, erwartet Günther Dorigoni von der Handelskammer, daß nur die Mönckebergstraße für den Individualverkehr gesperrt wird - und das nur an den vier langen Sonnabenden vor Weihnachten, erstmals am 30. November.

Gleichzeitig werde der Stra- ßenzug Lange Mühren zwischen Steinstraße und Spitalerstraße zur Fußgänger-Zone umgebaut, sagte er.

Die gegenwärtigen Vorbereitungen sind sicheres Indiz dafür, daß Hamburg aller Wahrscheinlichkeit nach keine Vorreiterrolle in Sachen ?autofreie

Innenstadt" zu Weihnachten spielen wird. Auch andere deutsche Städte, die unter dem Verkehr leiden, tun sich schwer mit der Verbannung des Autos aus der City.

Eine Ausnahme macht Hamburgs Nachbarstadt im Norden: Nur in Lübeck ist die Innenstadt sonnabends und sonntags tagsüber für den Verkehr gesperrt. In Aachen soll das Zentrum vom 12. Oktober an jeden Sonnabend von 10 bis 17 Uhr "dichtgemacht" werden. In Halle wollen die Stadtverordneten von 1993 an Autos aus dem Kern fernhalten.

Bisner setzen die Städte allein auf erhöhte Parkgebühren, Tempo 30 und auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Weniger Parkplätze in der City, mehr Park-and-ride-Systeme und finanzielle Anreize für Busund Bahnbenutzung sind weitere Ansätze, die Autoflut einzudämmen. Langfristige Gesamt-Konzepte sind jedoch meist noch Zukunftsmusik.

Bundesverkehrsminister Günther Krause (CDU) lehnt ein "pauschales Raus" des Autoverkehrs aus den Innenstädten ab. Statt dessen solle der öffentliche Personennahverkehr und der kommunale Stra- ßenbau gefördert werden. So denken auch die Städteplaner.

"Eine autofreie City ist eine Illusion", sagt Hans-Jürgen Westphal, Gründungsmitglied der Hamburger Stadtentwicklungs-Behörde. Auch in Stuttgart, München, Bochum und Duisburg schließen sich die Planer Westphals Meinung an.

Kölns Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes (SPD) dagegen ist überzeugt, daß in zehn Jahren die Innenbereiche der Mittel- und Großstädte autofrei sein werden. In Berlin sollen nach dem Willen der SPD nur noch Autos in der Innenstadt parken dürfen, deren Besitzer die heute schon erhältliche "Umweltkarte" der Berliner Verkehrsbetriebe gekauft haben. Die Karteninhaber müßten dann ein mit dem Kennzeichen des Wagens versehenes Ticket an der Frontscheibe anbringen.

Am meisten scheinen sich die Behörden aber vom Griff in den Geldbeutel der Autofahrer - das heißt drastische Erhöhungen der Parkgebühren - zu versprechen. Kassel beispielsweise hat am 1. April die Gebühren für Langzeitparker verdoppelt. Sie müssen jetzt sechs statt drei Mark für fünf Stunden berappen. In Düsseldorf, wo nach Angaben der Grünen rund 100 000 Pendler täglich für "dicke Luft" sorgen, soll die Parkgebühr von zwei Mark je Stunde an den Parkuhren auf vier Mark steigen. Der Stuttgarter SPD-Umwelt-Experte Harald B. Schäfer schlägt sogar zehn Mark Parkgebühren pro Stunde vor.

Ein bundesweit wohl einmaliges Projekt hat am 1. September in Freiburg und in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen (Baden-Württemberg) befonnen: Die ,,Regio-Umweltarte" ermöglicht monatlich oder jährlich die unbegrenzte Benutzung aller Bus- und Bahnlinien der Region, nr /dpa

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