Modellversuch "autofreie City" wird nicht wiederholt

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Die "autofreie City" in der Vorweihnachtszeit wird nicht wiederholt. Lediglich die Mönckebergstraße wird für den Verkehr gesperrt - und das auch nur an den vier verkaufslangen Sonnabenden vom 30. November an. Diesen Plan hat gestern die Innenbehörde bestätigt. Noch im Vorjahr waren während eines Modellversuchs der Baubehörde zusätzlich die Straßen Große Bleichen, Neuer Wall und Bergstraße sechs Wochen lang durchgängig Fußgängerzone.

Warum trotz positiver Resonanz von 88 Prozent der Innenstadtbesucher auf den Modellversuch dauerhafte Sperrungen diesmal unterbleiben, erklärte Peter Eckhard Kelch, Sprecher der Innenbehörde, so: "Vergangenes Jahr handelte es sich um ein Projekt der Baubehörde. Die Innenbehörde ist lediglich für Sicherheit zuständig. Die ist durch eine sonnabends gesperrte Mönckebergstraße gewährleistet. Mehr Straßen dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht dichtmachen."

Eine Wiederholung des Modellversuchs komme nicht in Frage, weil dafür das Geld - etwa 500 000 Mark, inklusive Befragungen und Auswertung durch einen Gutachter - fehle, sagte Baubehörden-Sprecher Jürgen Äsmussen. "Es sieht jetzt nach Rückschritt in Sachen Verkehrsberuhigung aus. Das ist aber nicht der FalL Im Gegenteil. Es hat sich 1990 gezeigt, daß in diesem Bereich Verkehrsberuhigung möglich ist. Wann die Umsetzung des Modellversuchs mit konkreten Umbauten beginnt, hängt allerdings davon ab, ob es gelingt, die Finanzierung sicherzustellen. Das wird frühestens mit dem Haushalt 1992 geschehen."

Uwe Grund, Chef des Landesverband Hamburg der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), hatte die sofortige Einführung von autofreien Sonnabenden in der City gefordert, weil "mit schwer oder gar nicht umsetzbaren Großprojekten die überfällige Verkehrsberuhigung auf den .Sankt Nimmerleinstag' verschoben wird".

Begrüßt wurde Grunds Vorschlag von der Fraktion der Grünen/GAL. "Sogar die Geschäftsleute werden bald akzeptieren, daß so ein Konzept gut für den Umsatz ist", sagte der verkehrpolitische Sprecher Martin Schmidt. Anders äußerte sich Gerhard Rebentisch von der Handelskammer Hamburg: "Wir halten gar nichts vom DAG- Vorschlag. Das wäre eine kalte Enteignung. In der Innenstadt haben wir immer noch mehr als 50 Prozent Auto- Kunden. Das können wir nicht übers Knie brechen."

Während Stadtentwicklungs-Senatorin Traute Müller (SPD) den Vorstoß der Gewerkschaft immerhin für "nachdenkenswert" hält, sprach Ole von Beust, verkehrspolitischer Sprecher der CDU von "re.jner Augenwischerei". "Solange der Öffentliche Personennahverkehr unattraktiv ist, nützt eine autofreie City überhaupt nichts". MARKUS ARNDT/ron

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