Gelächter um neuen alten Hamburg-Slogan

Die Kreativen und der alte Spruch

Die Diskussion um den "neuen", aber eigentlich mehr als 100 Jahre alten Hamburg-Spruch "Hamburg - das Tor zu Welt" reißt nicht ab. Bürgermeister Voscherau und der zuständige Wirtschaftssenator Krupp hatten den Satz als Nachfolger für den abgelehnten Slogan ?Hamburg - die große Freiherr abgenickt (das Abendblatt berichtete).

Es geht vor allem um die Frage, wie kreativ man sein muß, um diesen "alten Hut" auszugraben, der 1889 zur Eröffnung des Freihafens von einem Unbekannten geprägt worden war.

Kreativität, so das Fremdwörterbuch Duden, ist "Teil der Kompetenz . . . neue, nie zuvor gehörte Sätze zu bilden". Diese Definition mag Rolf Kutzera (35) als Geschäftsführer der Werbeagentur Springer & Jacoby nur bedingt gelten lassen, wenn es um den neuen Werbeslogan "Hamburg - Das Tor zu Welt" geht, den sein fünfköpfiges Kreativ-Team in drei arbeitsreichen Monaten ausgebrütet hat. "Kreativität ist ja schön und gut, aber mindestens ebenso wichtig ist die Kunden- Orientierung", befindet ein nach wie vor selbstbewußter Kutzera.

Und die herbe Kritik in den Medien? Die hält er für maßlos überzogen: "Ich hasse das. Etwas völlig Neues macht für Hamburg doch keinen Sinn. Künstlich etwas auf Hamburg draufstülpen bringt nichts. Deshalb unsere Entscheidung für das ,Tor zur Welt' mit seinem hohen Bekanntheitsgrad seit 1889." Und das ist kreativ? "Und ob", versichert der engagierte Werbemann, "da steckt viel Arbeit drin." Das schüttele man nicht so einfach beim Bier aus dem Ärmel. Da stecke das Konzept für eine Drei-Jahres-Kampagne darunter.

Und die Reaktion des Auftraggebers? Die Wirtschaftsbehörde hegt am Tag nach der Vorstellung des neuen alten Slogans in Igelstellung und verteidigt vehement und überzeugt die gefällte Entscheidung.

"Das spricht doch nur dafür, daß es mutige Politiker in der Stadt gibt, die zur Tradition stehen", trotzt Behördensprecher Heiko Tornow. "Und", bemüht er sich um Kreativität, "sehen Sie es doch mal so: Wir sind im Gespräch. Und wenn wir schon nicht völlig Neues präsentiert haben, dann doch etwas völlig Überraschendes." ar

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