Notfalls im Alleingang das Ziel der SPD:

City in drei Jahren autofrei

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Die alleinregierende SPD will in drei bis fünf Jahren weite Teile der Innenstadt für Autos sperren. Ist bis dahin kein Kompromiß mit den Geschäftsleuten gefunden, läßt der Senat den Stadtkern gegen ihren Willen umgestalten. Das kündigte Hermann Scheunemann, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, an. Damit ist der Streit um die autofreie City neu entflammt.

Scheunemann zufolge soll Als "Quatsch" bezeichnete außer Mönckebergstraße und Bergstraße auch der Jungfernstieg zur Fußgängerzone

Gestaltet werden. "Dies hatte ürzlich die Bezirksversammlung Mitte mehrheitlich vorgeschlagen. Scheunemann: "Wo alle paar Meter Bahn-Stationen sind, müssen die Blechlawinen von der Straße verschwinden."

Im 30-Minuten-Takt ins Zentrum

Als weitere SPD-Forderung bekräftigt ihr Verkehrs-Experte Hermann Scheunemann die Einführung einer City-Bahn für Pendler sowie einer Nahverkehrsabgabe und zwar noch in dieser Legislaturperiode.

Mit der City-Bahn sollen Pendler im 30-Minuten-Takt von Bad Oldesloe, Kaltenkirchen und Stade aus in 30 Minuten die City erreichen. Mit der Abgabe für Autofahrer soll die Bahn finanziert werden, außerdem sollen Kreise und Gemeinden im Umland sich beteiligen.

Nach dem Konzept Scheunemanns soll Hamburg eine eigene Betriebsgesellschaft gründen, Züge kaufen und Bundesbahn-Strecken mieten. Den Anfang soll eine Linie nach Bad Oldesloe machen - als größte Hamburger Einpendler-Achse. nr

Und: "Wir müssen die Innenstadt auf jeden Fall umstrukturieren, ohne es allen recht machen zu können." Der Senat müsse den Mut haben, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, sagt der SPD-Politiker.

Zwar ziehe der Senat einen Konsens vor, der am runden Tisch aller Beteiligten entsteht - aber die drastische Umgestaltung der City sei zwingend notwendig. Da die Innenstadt-Geschäfte meist Filialen seien, sei die Umstrukturierung zumutbar, so Scheunemann.

der CDU-Verkehrs-Experte Dr. Joachim Becker die Ankündigung Scheunemanns, daß der Senat den Runden Tisch im Zweifel übergehen werde. "Der Senat muß alle Interessen berücksichtigen. Denn schon die neuen Anwohner-Parkzonen sind ein Schlag ins Wasser, der den Einzelhandel darniederliegen läßt."

Die Innenstadt sei zu entlasten, dürfe aber nicht autofrei werden. "Wer beispielsweise einen Fernseher kaufen will, muß mit dem Auto in die City dürfen, ohne auf die U-Bahn angewiesen zu sein", sagt Becker.

Der FDP-Landesvorsitzende Robert Vogel fürchtet, daß ein verkehrspolitischer Alleingang des Senats der wirtschaftlichen Lage schadet. "Eine weitere Verkehrsberuhigung in der City ist nur im Einvernehmen mit dem Einzelhandel und übrigen Anliefern machbar. Sonst wird araus ein Konjunktur- Dämpfer", sagt der FDP- Chef.

"Die Attraktivität nimmt ab, wenn der Individual- Verkehr aus der Innenstadt gedrängt wird", vermutet Günter Dorigoni, Geschäftsführer der Verkehrsabteilung bei der Handelskammer. Er sei aber zuversichtlich, daß die Gespräche zwischen Behörden und Handelskammer einen Kompromiß erbringen. Es wäre denkbar, einige Straßen nur nachmittags für Fußgänger zu reservieren, sagt Dorigoni.

Und die Anlieger? Fernsehhändler Matthias Lichtenfeld, mit Filiale an der Bergstraße: "Der eine oder andere Kunde wird dann auf die Wiese fahren, um Geräte zu kaufen. Aber wenn Parkplätze und City attraktiv verbunden sind, kann es gutgehen."

Daß die Innenstadt nicht abgeschnitten werden darf, fordert Alsterhaus-Geschäftsführer Michael Steinmann. "Der Handel hängt von vielen Kunden ab, die nicht auf ihr Auto verzichten. Für die brauchen wir ein vernünftiges Parkplatz-Angebot. " NORMAN RAAP

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