Treuhand rechnet bis Jahresende noch mit 400 000 Entlassungen

"Die Talsohle ist erreicht"

dpa/rtr/ap Bonn - In den ehemaligen DDR-Staatsbetrieben, die die Berliner Treuhandanstalt verwaltet, werden bis Ende des Jahres weitere 400 000 Beschäftigte entlassen. Damit rechnet Treuhand-Chefin Birgit Breuel. Viele der betroffenen Mitarbeiter gingen jedoch in den Vorruhestand, in Rente oder fänden teilweise auch als Pendler im Westen - Arbeit bei anderen Unternehmen, sagte Frau Breuel am Donnerstag in Bonn.

Die wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Bundesländern habe "die Talsohle erreicht". Aufwärts gehe es bereits im Baubereich, in der Nahrungsmittelindustrie und im Fahrzeugbau. Einige Treuhand-Unternehmen stellten auch bereits wieder Mitarbeiter ein.

Von 5000 bisher geprüften Treuhand-Betrieben habe sich

"der weit überwiegende Teil als sanierungsfähig" erwiesen, sagte Birgit Breuel. Der Arbeitsmarkt sei jedoch "nach wie vor kritisch". Insgesamt könne man "für die nächste Zeit" aber "gedämpft optimistisch" sein.

Die Zahl der Beschäftigten in den Treuhand-Unternehmen hat sich nach Angaben von Frau Breuel und ihres Personalchefs Alexander Koch von gut vier Millionen vor einem Jahr auf jetzt 2,1 Millionen fast halbiert. Bis Ende Juli seien mehr als 3000 ostdeutsche Unternehmen privatisiert worden, deren neue Eigentümer rund 600 000 Arbeitsplätze sowie Investitionen von 70 Milliarden Mark verbindlich zugesagt hätten. Die Verkaufserlöse bezifferte Birgit Breuel auf 12,5 Milliarden Mark.

Weitere gut 600 Unternehmen mit 125 000 Arbeitsplätzen befänden sich in Abwicklung. Auch bei diesen Firmen könnten wahrscheinlich 30 bis 40 Prozent der Arbeitsplätze gerettet werden. Bis zum Jahresende rechne sie mit 80 000 Neueinstellungen bei den noch nicht privatisierten oder stillgelegten Treuhand-Betrieben, sagte Frau Breuel. 20 000 davon seien bereits erfolgt.

Im Rahmen der Sanierung und Erhaltung investierten die Betriebe auch kräftig: 15 Milliarden Mark im ersten Halbjahr 1991. Probleme gebe es, gute Manager für Sanierungen zu finden. "Wir brauchen die besten", sagte die Treuhand-Chefin. Die seien aber schwer zu bekommen.

Bei den aus den neuen Ländern stammenden Geschäftsführern, Vorständen und Personalchefs gibt es immer noch Probleme mit deren politischer Vergangenheit. Von den Aufsichtsräten der Treuhandunternehmen forderte Frau Breuel in Fällen erwiesener früherer Unrechtshandlungen "konsequentes sofortiges Handeln", insbesondere wenn die politische Vergangenheit einer Führungskraft bereits zu Auseinandersetzungen im Unternehmen geführt habe.

Es sei aber auch "Fingerspitzengefühl" nötig, weil oft Unschuldige belastet würden. 400 Treuhand-Manager seien aus politischen Gründen bereits entlassen worden, 100 weitere wegen mangelnder fachlicher Befähigung. "Bei uns hat niemand Platz, der beim Stasi beschäftigt war", sagte Frau Breuel.

Mit dem bis Ende dieses Jahres genehmigten Kreditrahmen von 25 Milliarden Mark werde die Treuhand auskommen, sagte Frau Breuel. Für die nächsten Jahre wagte sie keine Prognose.