Rudolf Mayr war nach dem Krieg Chefpilot der Lufthansa

Trauer um Flug- Pionier

"High noon mit Mayr," schrieb eine Zeitung, nachdem er am 2. März 1960, 12 Uhr mittags, mit der ersten "Düse" der Lufthansa in Fuhlsbüttel gelandet war. Und Rudolf "Miesi" Mayr, der Chefpilot der fliegenden Hansa, jubelte: "Jetzt beginnt mein zweites Fliegerleben - im Jet und von Engeln geschoben!"

31 Jahre nach diesem großen Tag ist das abenteuerliche Leben dieses ungewöhnlichen Mannes zu Ende gegangen: Rudolf Mayr starb im Alter von 81 Jahren in Hamburg. Ein ungewöhnliches Leben? Mayr wurde am 1 . Mai 1910

in Miesbach geboren. Deshalb war und blieb er der "Miesi".

Mayrs gab es viele, aber keiner war wie der "Miesi"- Mayr. Der 195 Zentimeter große Bayer studierte Maschinenbau und machte an der Verkehrsfliegerschule in Schleisheim seinen C 2- Schein, mit dem er alles fliegen durfte, was Flügel hatte.

Er wurde, wie er sagte, zur "Möwe", denn er flog mit Seeflugzeugen über See: Mit der Do-18 überquerte er den Atlantik, im Do "Wal" wurde er vom Katapultschiff "Schwabenland" geschleudert, um die Luftpost von Bathurst (Gambia) nach Natal (Brasilien) zu fliegen. "Wenn wir Glück hatten, reichte der Sprit gerade aus", sagte er. Mayr hatte immer Glück.

1953 gehörte der Instinktflieger zu den "Glorreichen Vier", die als erste Deutsche wieder ans Steuer von Verkehrsflugzeugen durften. Drei Jahre später war er Chefpilot der Lufthansa und damit Leibpilot der Kanzler Adenauer, Erhard und Kiesinger. Mit 59 wurde er von den Flieger-Ärzten "gegroundet".

Danach sah er die "Düsen" am liebsten nur noch von unten: ? Auf einem Sessel in der Kabine ist das Fliegen für mich witzlos. Da reise ich lieber mit dem Auto, das ich noch selber steuern darf." Männer wie Mayr verlassen sich nur auf sich selbst. sti.

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