Seit heute gut Tempo 40 auf der Stresemannstraße

Das Ende der Raserei?

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Das Tempolimit auf der Stresemannstraße ist kein Einstieg für weitere Verkehrsberuhigungen auf anderen Hamburger Hauptverkehrsstraßen. Darauf wiesen sowohl Innensenator Werner Hackmann als auch die Senatorin für Stadtentwicklung, Traute Müller, hin.

Die Stresemannstraße, die täglich von 42 000 Autos - darunter elf Prozent Lastwagen - befahren wird, sei ein Sonderfall. Er habe die Tempobegrenzung allein aus Sicherheitsgründen angeordnet, sagte Hackmann (Interview Seite 14).

Traute Müller, die wie berichtet, am Mittwoch in der Bürgerschaft die Einführung von Tempo 30 auf dem rund 1000 Meter langen Stück zwischen Neuem Pferdemarkt und Alsenstraße verkündet hatte, erklärte, nirgendwo stünden Wohnhäuser so dicht an einer derart vielbefahrenen Straße. Gestern wurde zunächst Tempo 40

eingeführt, in frühestens drei Wochen kommt Tempo 30.

Während die Menschen an der Stresemannstraße das Tempolimit als Teilerfolg begrüßten, hegt man in der Handelskammer Befürchtungen für den Fluß des Wirtschaftsverkehrs in der Stadt insgesamt. "Wir sind gegen Tempobeschränkungen auf Hauptverkehrsstra- ßen", meint Hartwig Serchinger, Leiter der Hauptabteilung Verkehr, der m der Stresemannstraße einen Präzedenzfall für die Ausweitung von Tempolimits auch auf andere Hauptverkehrsstraßen sieht.

Akzeptieren würde man allenfalls, wenn das Tempo auf begrenzten Abschnitten anhand von Ampelschaltungen gedrosselt würde, wie zum Beispiel auf der Reeperbahn. Auf den Hauptverkehrsstraßen brauche die Stadt aber fließenden Verkehr. Serchinger: "Uns geht es um die Aufrechterhaltung des Wirtschaftverkehrs immer und überall."

Für Dirk Naujokat, Geschäftsführer des "Verbandes für das Güternahverkehrsgewerbe Hamburg", ist auch Tempo 30 "kein Problem, wenn es bei jeweils zwei Fahrspuren bleibt". Eine Verengung auf eine Spur, wie sie von den Anwohnern zusätzlich gefordert wird, würde allerdings Probleme wie Staus und das Suchen und Benutzen von Schleichwegen bringen, meint Naujokat. Nicht ohne Brisanz sei auch für das Güternahverkehrs- §ewerbe die Frage, ob es eim Sonderfall Stresemannstraße bleibt oder ob sich Tempobeschränkungen weiter ausbreiten.

Als eine "sinnvolle Entscheidung, die schon viel früher hätte kommen müssen", bezeichnet ADAC-Sprecher Klaus- Peter Lohmann Tempo 40 (und später auch 30) auf der Stresemannstra- ße. Diese Geschwindigkeit dürfte zudem das zu erreichende Durchschnittstempo kaum ver- ändern.

Außerdem fordert Lohmann mehr Kontrollen und härtere Strafen. Am Beispiel der neuen Bundesländer werde deutlich, daß es leider nur so gehe. Nachdem pämlich die DDR samt Uberwachungsapparat zusammengebrochen war, hätten Raserei und Unfälle auf Straßen der neuen Bundesländer dramatisch zugenommen. Verkehrsmoral und Disziplin seien offenbar unterentwickelt, scho

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