Morgen Entscheidung über Rohwedder-Nachfolge

SPD stemmt sich gegen Breuel

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HA Bonn - Die SPD ist offenbar gegen eine Berufung von Birgit Breuel (CDU) zur Nachfolgerin des ermordeten Treuhand- Chefs Detlev Rohwedder. Der Name der ehemaligen niedersächsischen Wirtschaftsministerin befinde sich jedenfalls nicht auf der SPD-Vorschlagsliste, die Parteichef Hans- Jochen Vogel Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) heute vorlegen werde, betonte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Wolfgang Roth.

Bundesfinanzministerium und Bundespresseamt wollten unterdessen weder bestätigen noch dementieren, daß die Entscheidung bereits zugunsten von Frau Breuel gefallen sei. Laut Finanzministerium stimmt der Verwaltungsrat der Treuhandanstalt morgen in Berlin über die Nachfolge Rohwedders ab. Anschlie- ßend werde der Treuhandvorstand informiert.

Auch Bundeskanzler Kohl wollte gestern noch keinen Namen nennen. Am Rande der Jahreskonferenz der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden in Stuttgart bestätigte er jedoch, daß die Entscheidung noch in dieser Woche fallen werde.

SPD-Chef Vogel betonte, die Festlegung der Nachfolge müsse "Signalcharakter" haben. Die Wahl müsse auf eine Person fallen, die der Sanierung der ehemals staatseigenen Betriebe in Ostdeutschland eindeutig den Vorzug vor Privatisierung oder Schließung gebe.

Vor allem bei Mitarbeitern der Treuhand wird das Vorstandsmitglied Birgit Breuel als Nachfolgerin Rohwedders favorisiert.

Wie verlautet, haben Kohls Mitarbeiter und Berater nach Rohwedders Ermordung am Ostermontag eine Liste mit möglichen Kandidaten erarbeitet. Darunter sollen auch Spitzenkräfte aus der Wirtschaft sein. Kohl und Finanzminister Waigel, dessen Amt im Verwaltungsrat vertreten ist, haben wohl das gewichtigste Wort bei der Ernennung des neuen Präsidenten.

In Berlin wird spekuliert, daß Frau Breuel, die noch keine lange Erfahrung im

Wirtschaftsmanagement hat, ein Wirtschaftsfachmann und Sanierungsexperte, der von Kohl und Waigel ausgewählt wird, als Stellvertreter zur Seite gegeben werden dürfte.

Roth forderte, die SPD an der Nachfolge-Auswahl zu beteiligen. Eine Kooperation zwischen Regierung und Opposition in strukturpolitischen Fragen sei nur möglich, wenn sich die Regierung mit der SPD über die künftige Leitung der Treuhand abstimme. Für Birgit Breuel habe er "keine besondere Sympathie". Bei der Treuhand müsse ein politisch erfahrener Unternehmer, Manager oder Banker an der Spitze stehen, der ein soziales Gewissen habe.

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