Forum auf der Hoheluftchaussee zeigt neue Wege auf

Lebensraum statt Chaos - die Zukunft der Straße?

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Blechlawinen, verstopfte Straßen, verschmutze Luft, Lärm und Hektik - das ist tagtäglich die Gegenwart auf Hamburgs Straßen. Wie die Zukunft aussehen könnte, will die Aktion "Zukunft Straße" am Sonntag zeigen. Dann wird die Hoheluftchaussee, eine Hauptverkehrsader der Hansestadt, von 10 Uhr an acht Stunden lang für den Verkehr gesperrt: An diesem Tag soll die Straße den Menschen als Lebensraum und Forum zur Diskussion neuer verkehrspolitischer Konzepte dienen. Mehr als 60 Interessengruppen, Sozial- und Umweltbehörde und die Umweltakademie beteiligen sich an der Aktion.

"Es geht darum, den Autowahn in allen seinen Auswirkungen anzugehen und Lösungen aufzuzeigen", erklärte gestern Henning Jaeckisch vom Projekt "Zukunft Straße" das Anliegen der Veranstalter. Geplant sind Informationen, Gesprächsrunden mit Betroffenen und Verantwortlichen, aber auch Musik, politisches Kabarett und Unterhaltung zum Thema - als Ideenpool und Anregung für Politiker und Bürger.

Die Idee zu der Aktion, entstanden aus der Arbeit des Projektes "Gesündere Zukunft für Hamburg", wurde von der Umweltakademie und einer Projektgruppe des Studienganges "Kultur- und Bildungsmanagement" der Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP) umgesetzt. Ursprünglich sollte die Aktion an einem verkehrsreichen Sonnabend im April stattfinden. Dafür jedoch gab es keine Genehmigung von der Innenbehörde.

Massive Kritik am Projekt "Zukunft Straße" kommt von der Handelskammer. "Die Veranstalter gehen auf die Hoheluftchaussee, um zu suggerieren, daß Hamburg auf eine seiner wichtigsten Hauptverkehrsstraßen verzichten könne", rügte Günter Dorigoni, Geschäftsführer der Handelskammer. "Aber als Wirtschaftsmetropole muß Hamburg das Straßennetz ausbauen. Wir brauchen vor allem Ost-West-Tangenten für den Durchgangsverkehr."

"Gesundsperrung" nennen dagegen die Organisatoren ihre Aktion. "Die Verkehrspolitik der letzten zehn Jahre hat das Auto favorisiert und andere Benutzergruppen von der Straße verdrängt. Die Folgen sind nicht nur ein drohender Verkehrsinfarkt, sondern auch massive Gesundheits- und Umweltschäden", sagte Sozialsenator Ortwin Runde, mit Umweltsenator Jörg Kuhbier Schirmherr der Veranstaltung. Vorrang für Fahrradfahrer und Fußgänger, Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und die finanzielle Belastung der Autofahrer nach dem Verursacherprinzip seien Alternativen zum Verkehrsinfarkt.

ley

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