Nach acht Jahren Flucht ist Uwe Ackermann wieder hinter Gittern

Ausbrecherkönig gefaßt

Einer der berüchtigsten Hamburger Gewalttäter, "Ausbrecherkönig" Uwe Ackermann (47), ist wieder in Haft. Rund acht Jahre nach seiner letzten Flucht aus der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel wurde er nach einem Banküberfall in Hillesheim im Eifelskreis Daun (Rheinland-Pfalz) festgenommen. Ihm war es insgesamt dreimal gelungen, aus der Haft in Santa Fu zu entwischen.

Zusammen mit seinem Komplizen Bodo Israelewski (48) aus Bremen hatte Ackermann am Donnerstag um 9.30 Uhr die Filiale der Kreissparkasse Daun betreten. Beide Männer waren mit Maschinenpistolen bewaffnet. Sie trugen Motorradkleidung und hatten sich mit Schals maskiert. Von den Kunden und Angestellten der Bank verlangten sie, sich auf den Boden zu legen. Während sich die Täter von der Filialleiterin rund 64 000 Mark aushändigen ließen, gelang es einer Bankmitarbeiterin, den stillen Alarm auszulösen.

-Haut ab, sonst gibt's ein Blutbad!

Als daraufhin ein Streifenwagen vor der Sparkasse erschien, trat Bodo Israelewski vor die Tür und schrie: "Haut ab, sonst gibt's ein Blutbad!". Die beiden Täter entkamen wenig später mit der Beute durch den Hinterausgang. Auf ihrer Flucht wurden sie von der Polizei verfolgt.

Obwohl die Beamten mehrere Warnschüsse in die Luft abgaben, rannten die Bankräuber zu einem Kornfeld, in dem sie zwei Honda-Geländemaschinen versteckt hatten. Doch weiter kamen sie nicht: Die Polizei hatte zwischenzeitlich das Gelände umstellt, der Polizeihubschrauber kreiste über ihren Köpfen. Bodo Israelewski gab sofort auf.

Uwe Ackermann versuchte, noch einmal zu entkommen, dann wurde er von einem Hundeführer gestellt. Bei den Motorrädern fanden die Polizeibeamten ein wahres Waffenarsenal, darunter ein Schnellfeuergewehr.

Die Kripo in Trier prüft nun, ob Uwe Ackermann für weitere Banküberfälle in Frage kommt. Vor wenigen Wochen hatte ein Täter im Stadtteil Euren 90 000 Mark erbeutet und war auf einem Motorrad geflüchtet. Im Mai hatte sich ein ähnlicher Fall ereignet.

Uwe Ackermann geriet bereits Ende der 60er Jahre in die Schlagzeilen: Als Chef einer Bande, die bei ihren Überfällen Karnevalsmasken trägt, wird er als besonders brutal aktenkundig. So überfällt er am 22. Dezember 1968 eine

Tankstelle in Lokstedt. Als der Tankwart flüchten will, schießt ihm Ackermann ins Genick. Der Mann überlebt.

Brutales yorgehen bei den Überfällen

Ende Januar 1969 beraubt die Bande einen Gastwirt im Landkreis Harburg. Uwe Ackermann sticht dem Mann mit dem Gewehrlauf das rechte Auge aus. Das Opfer stirbt später an einem Herzanfall. Im darauffolgenden Monat überfällt die "Masken-Bande" eine Bank in Lübeck. Im März wird Anführer Ackermann in München festgenommen. Das Schwurgericht in Hamburg urteilt: 15 Jahre Haft.

Im Juli 1971 flüchtet der Santa-Fu- Insasse mit Hilfe eines Nachschlüssels, wird aber zwei Tage später wieder gefaßt. Schlagzeugspieler Ackermann gründet eine Jazzband, die "Jailbirds" ("Galgenvögel"). Beim Kauf eines neuen Instruments im Alsterhaus verschwindet er durch ein Toilettenfenster. Noch im gleichen Jahr begeht er zwei Banküberfälle und schießt in Lübeck einen Geldboten nieder.

Dezember 1975: Ackermann wird an der Schanzenstraße aufgespürt und zu zusätzlichen neuneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Am 7. November 1982 gelingt seine spektakulärste, weil einfachste Flucht: Nach einem Konzert mit seiner Gefängnisband in der "Werkstatt 3" in Ottensen spaziert er durch die Hintertür. Wo er sich in den vergangenen acht Jahren aufgehalten hat, ist nicht geklärt. Es gab es Gerüchte: Kanada oder Südamerika. Doch Uwe Ackermann schweigt. ANJA STEHMEYER