Die Polizei warnt: 900 Diebstähle pro Tag

Das (un)sichere Fahrrad

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Von Georg Weden

Hamburg - In der Bundesrepubllk werden in diesem Jahr rund 4,5 Millionen Fahrräder gekauft, schon etwa 44 Millionen rollen auf unseren Straßen und Radwegen - sicheres Zeichen für das wiedererwachte Interesse an diesem Fortbewegungsmittel.

Die Kehrseite der Medallle: Der Fahrradklau geht um! Mehr als 900 Fahrräder werden Tag für Tag im Bundesgebiet gestohlen.

Die Statistik weist aus, daß sechs von zehn Bundesbürgern mindestens ein Fahrrad besitzen und sich der Bestand seit 1970 nahezu verdoppelt hat. Sie zeigt aber auch, daß Fahrräder allmäh- Uch den Platz der Autoradios einnehmen: Die bessere Kennzeichnung und Sicherung der Radios sowie ein Stau auf dem Markt gestohlener Geräte haben das Interesse der Diebe an diesem Zubehör sinken lassen.

Dafür stieg die Zahl gestohlener Fahrräder sprunghaft an. Mit dieser sogenannten Kleinkriminaütät (Aufklärungsquote: nur etwa zehn Prozent) finanzieren Rauschgiftabhängige ihre Sucht, bessern Schulkinder das Taschengeld auf. Für den Radfahrer heißt dies wohl oder übel: das Fahrrad nicht aus den Augen lassen oder nach Mögllchkeit sicher einschließen, aufwendige Ketten und Schlösser für die Sicherung verwenden.

Die Besitzer teurer Rennräder und Mountain Bikes

verwahren das Rad längst m der Wohnung. Die Versicherer haben Fahrräder aus (neuen) Hausratversicherungen herausgenommen (spezielle Fahrradversicherunfen werden für 60 Mark im ahr angeboten). In Hamburg wird von der Pollzei zwar noch ein Fahrradpaß ausgegeben, die Rahmennummern sind aber nicht mehr im Computer gespeichert; das überläßt man der Initiative des Fachhandels.

Der Trend zum höherwertigen Fahrrad, das auch als Sportgerät geeignet ist, hat eme neue Tnmm-dich-Welle ausgelöst. Außer an Wanderfahrten möchten immer mehr Bundesbürger - ähn- üch wie bei den Volksläufen der Jogger - an Tourenfahrten teilnehmen. Diesem Wunsch kommen die Mitglledsvereine des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) mit einem großen Breitensportangebot entgegen.

Auch im Hamburger Umland werden bis in den Herbst sportlich anspruchsvolle Fanrten veranstaltet. Das Angebot reicht von der 26-KUometer-Fahrt im Harz bis zur 303-Küometer-Tour durch Schleswig-Holstein (Breitensport-Kalender '90, kostenlos bei: Fiat, Niederlassung Hamburg, Nedderfeld, und Fahrrad-Richter, Barmbeker Straße).

Auf dem Fahrrad: Augen auf! "Radfahren ist mehr denn je ein gefährllches Unterfangen", schreibt die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Diese vom Verkehrsminister getragene Einrichtung hat bei einer Unfalluntersuchung festgestellt, daß jährllch etwa 63 000 Radfahrer im Straßenverkehr verunglücken, davon fast 1000 tödlich. Betroffen sind in erster Linie die ganz jungen und die ganz alten Verkehrsteilnehmer.

Die meisten kommen in Ortschaften zu Schaden häufig beim unvorsichtigen Abbiegen, Benutzen der falschen Straßenseite und Fahren ohne Beleuchtung. Doch den Vorwurf "selber schuld!" wül die BASt angesichts fehlender und unzulängllcher Radwege nicht gelten lassen. Sie plädiert für eine radikale Trennung von Auto- und Fahrradverkehr.

Weü der Radverkehr wegen zunehmender Freizeit stark wachsen wird, mahnt die Bundesanstalt bei Ländern und Gemeinden an, endllch eine Ankündigung von 1984 wahr zu machen und den Antell der Radwege am Straßennetz auf 35 Prozent zu steigern. Derzeit sind es erst 15 bis 31 Prozent.

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