HSV-Torwart Richard Golz nach dem Bayern-Spiel

"Es macht keinen Spaß"

jm Hamburg - Als die HSV-Spieler nach dem 0:4- Debakel gegen den FC Bayern am Freitag früh aufdem Flughafen München-Riem an Bord der Lufthansa-Maschine LH 377 nach Hamburg gingen, standen die blassen Gesichter der Profis in Kontrast zu den dunklen Ausgeh-Anzügen.

Nur ein Mann im Trainingsanzug fiel aus dem Rahmen: Fred Klaus (22). Der Stürmer konnte nach seinem schweren Sturz in einen drei Meter tiefen Stadion-Laufschacht die Rückreise mit einem Pflaster im Gesicht und Verbänden an den Armen antreten. Nach einer leichten Gehirnerschütterung beginnt er am Anfang der Woche wieder mit dem Training.

Seine Kollegen litten eher an seelischen Schmerzen. "Wir haben anfängerhafte Fehler gemacht", bekannte

Sascha Jusufi freimütig, "und werden uns in nächster Zeit wohl auf einige Grundlagen des Fußballspiels konzentrieren müssen." Gemeint sind Abwehrverhalten, Kombinationsspiel und das Beherrschen der Abseitsfalle.

Allen steckte noch die Lehre aus dem Bayern- Spiel in den Knochen - selten war eine so harmlose Hamburger Mannschaft im Olympiastadion so düpiert worden. 3,13 Millionen Fernseh-Zuschauer hatten die Live-Sendung von RTL- Plus verfolgt.

Sie registrierten, daß Trainer Willi Reimann derzeit glücklos ist. Während er in Bochum und Uerdingen mit nur einer Sturmspitze verhalten begann, wollte er ausgerechnet den Deutschen Meister mit Offensivgeist verblüffen und "ein wenig ärgern".

Dieses Konzept ging nicht auf. Dafür verhau es den Spielern zu einer Portion Selbsterkenntnis. "Zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen fehlt die Abstimmung", erkannte Jusufi. "Es macht keinen Spaß, wenn die gegnerischen Stürmer immer alleine auf einen zukommen", ergänzte Torhüter Richard Golz.

Für Moral sorgte Kapitän Jakobs (36): "Es muß doch irgendwie bessergehen, sonst können wir den Laden gleich dichtmachen."

Das dürfte auch Reimann gedacht haben, der seine Schützlinge ungewohnt sanft behandelte. Nach der Rückkehr gab es Auflockerungs-Ubungen, das Wochenende ist frei.

Drei Spieler werden die Muße besonders zu schätzen wissen: Golz, Dammeier und Bierhoff wurden von DFB-Trainer Vogts für das "U 21 "-Länderspiel am Dienstag gegen die CSSR nach Pnbram geladen. Kober steht auf Abruf bereit. ? Das Oberlandesgericht Köln entschied in zweiter Instanz, daß Spielerberater Holger Klemme nicht mehr behaupten darf, im Auftrag von Thomas von Heesen über einen Frankfurt-Wechsel verhandelt zu haben.