Constance Wetzel, Bankiers-Tochter und Schauspielerin

Eine Frau kämpft gegen ihr Image

Sein oder nicht sein? Im Falle von Constance Wetzel heißt die Antwort: "Nie gewesen." Nicht die Freundin des Wimbledonsiegers Boris Becker, nicht das "Dummchen", das "alles im Leben geschenkt bekommen hat", und auch nicht das Fotomodell, das als Bankiers- Tochter den Aufstieg geschafft hat. Constance Wetzel wehrt sich gegen all diese Etikettierungen. "Ich bin Schauspielerin", sagt sie.

"Niemand hat mir dabei geholfen, sondern ich habe hart dafür gearbeitet. Nur weiß das niemand." Sicher, als Tochter des Hamburger Bankiers Joachim Wetzel (Berenberg Bank) habe sie "einige Vorteile" unter alteingesessenen Hanseaten heißt das "Verbindungen" - gehabt. Sie kannte den Schauspieler Kay Sabban, der sie auf die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule vorbereitet hat.

Die Eltern seien zunächst gegen ihren Berufswunsch gewesen. "Brotlose Kunst" - das habe sie genauso zu hören ..bekommen wie: "Überlege dir das gut". Keine überzeugenden Argumente für Constance Wetzel. "Schließlich wollte mein Vater früher selbst mal Schauspieler werden."

Sie schulte Stimme, Mimik und Gestik: zwei Jahre in Hamburg bei Hedi Höpfner, eineinhalb Jahre am Herbert-Berghoff- Studio in New York. "Und dann heißt es immer noch: die Ex- Becker-Freundin, das Ex-Modell."

Nur eine gute Freundin von Boris

Die 24 Jahre alte Constance Wetzel stellt klar: "Die Romanze hat es nie gegeben. Ich war nur eine gute Freundin von Boris Becker, und als Modell habe ich überhaupt nicht gearbeitet." Ihre Stimme wird lauter, sie wirkt nervös, löst das Band, das ihre dunklen Haare im Nacken zusammengehalten hat, und streicht sich mit einer Hand durchs Haar eine Geste, die sich oft wiederholt.

Und wie war das vor zwei Jahren mit dem gemeinsamen Urlaub mit dem Weltklassespieler in der Karibik? Sie sei "nach drei Tagen abgereist", zurück nach New York - "aus privaten Gründen". Pimktum!

Über vieles aus ihrer Vergangenheit möchte sie offensichtlich nicht mehr sprechen. Auch nicht über den Komiker Otto, ihren Tennispartner, nicht über die Kindergeburtstage im Garten des berühmten Nachbarn ihrer Eltern.

Bücher sind wichtiger als Discos

Heute lebt Constance Wetzel im eigenen Appartement ("wohlgemerkt: wie mein Auto selbst finanziert") in Klein Flottbek, geht "selten aus", liest viel (Dostojewski), hält sich mit Bodybuilding fit und telefoniert "täglich mit Patrizia", ihrer vier Jahre älteren Schwester, einer Journalistin.

Und sie studiert ihre Rolle. Denn seit Mai steht Constance Wetzel für die Vorabendserie "Unsere Hagenbecks", die im Herbst 1990 ausgestrahlt werden soll, vor der Kamera. Das erste Mal. Bei etlichen Produzenten habe sie sich vorgestellt. Sie hatte das Glück - diesmal ohne Verbindungen -, zu Probeaufnahmen eingeladen zu werden, und wurde engagiert. Als Enkelin eines Gärtners verdreht sie Männern den Kopf und wird schließlich Modell. Ausgerechnet . . . swa

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