Behörden-Probleme trotz Bonner Zusagen

Nur schleppende Hilfe für Chinesen

Von Wolfram Kroeber

Bonn - Die rund 8000 chinesischen Studenten und Wissenschaftler und ihre Familienangehörigen in der Bundesrepublik haben erhebüche Schwierigkeiten mit den deutschen Behörden. Kaum einer von ihnen wül angesichts der blutigen Niederschlagung der Demokratie-Bewegung in der Volksrepublik zur Zeit in die Heimat zurückkehren.

Trotz der raschen Zusage der Bundesregierung nach den Ereignissen in Peking im Mai auf schneüe, unbürokratische Hilfe zeigen sich die zuständigen Auslandsämter jedoch unbewegüch. Diese Klage führen in diesen Tagen der Ring Christüch Demokratischer Studenten (RCDS) und die Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft (GDCF) in Bonn.

Der RCDS-Bundesvorsitzende Christian Schede hat bereits Bundeskanzler Helmut Kohl in einem Schreiben dazu aufgefordert, die schleppende HUfe der Bundesbehörden für die chinesischen Studenten voranzutreiben. "Mit Ausnahme der deutschen Förderungsinstitute ist noch nichts geschehen", klagt er. Der RCDS steht den Unionsparteien nahe.

Mehrere hundert chinesische Studenten hätten ihren Studienaufenthalt bisher privat finanziert, Stipendien von der Regierung in Peking erhalten oder seien nur kurzfristig für Sprachkurse in die Bundesrepubük gekommen. "Diese Kommiütonen", erklärt der RCDS, ?stehen jetzt, da der Geldfluß versiegt, ohne jede Hilfe da, können aber

nicht in die Volksrepublik China zurück." Die Hüfsmaßnahmen des Auswärtigen Amtes würden nur für solche Studenten gelten, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) betreut oder mit deutschen Stipendien finanziert würden. Anträge auf Arbeitserlaubnis, um sich durch eigene Leistung den Lebensunterhalt zu verdienen, würden schleppend oder ablehnend behandelt, heißt es weiter. Die Auslandsämter hätten offensichtüch immer noch keine Anweisungen, wie sie im Falle auslaufender Aufenthaltsgenehmigungen verfahren sollen. Studentische Sorgentelefone, wie sie der RCDS betreibt, könnten oftmals nur vertrösten.

Immer wieder bekämen die Telefonberater zu hören: "In Bonn wird nur geredet, nicht gehandelt." .

Die Gesellschaft für Deutsch- Chinesische Freundschaft (GDCF) hat ähnüche Erfahrungen gemacht: "Bundesregierung und Länderregierungen waren in den Tagen nach dem Massaker von Peking mit Beteuerungen schnell bei der Hand, den in der Bundesrepubllk lebenden Studenten und Wissenschaftlern werde schnell geholfen werden. Bisher spüren die Betroffenen davon jedoch nicht viel."

Sowohl GDCF als auch RCDS fordern deshalb Bonn und die Landesregierungen auf, einen Notfonds für die chinesischen Kommüitonen einzurichten. Au- ßerdem verlangen sie eine einheitüche Praxis in der Frage der Verlängerung von Aufenthaltsgenehmigungen.