Die Finanzkrise des Hamburger SVHSV-Präsident kandidiert nicht wieder - Generalsekretär beurlaubt

Ernst Naumann hört auf

Von Jens Meyer

Hamburg - HSV-Präsident Ernst Naumann wird im November nicht wieder für sein Amt kandidieren. Das sagte der 67 Jahre alte Verleger bei einer Aufzeichnung der Sendung "Klartext", die RTL plus heute aberJÖ um 18.20 Uhr ausstrahlt.

Es gibt noch eine Personalentscheidung: Dr. Dirk Albrecht, Generalsekretär des HSV und Chef der HSV-Marketing-GmbH, wurde ohne Angabe von Gründen beurlaubt. Sein einziger Kommentar: "Ich sage dazu nichts." Bekannt ist, daß er zu Naumann "nicht das beste Verhältnis" hatte.

Albrechts Vertrag läuft noch bis zum 31. Dezember nächsten Jahres - und seine Bezüge laufen auch weiter.

"Kandidieren Sie wieder?" fragte Carlheinz Hollmann, der Moderator der Sendung "Klartext", gegen Ende des 20minütigen Gesprächs in Studio 4.

Ernst Naumann - im Zusammenhang mit der Schuldenkrise des Vereins im Mittelpunkt der Kritik - antwortete nach kurzem Zögern: "Nein, das möchte ich eigentlich nicht."

Hollmann: "Wird Ihr Stellvertreter Horst Becker Ihren Posten einnehmen?" Naumann: "Das entscheidet die Mitgliederversammlung, da sind alle Möglichkeiten offen."

Die Aussage eines anderen Mannes blieb unmißverständlich. "Nein, ich möchte nicht HSV-Präsident werden", sagte Dr. Peter Krohn, der schon einmal Präsident war.

Der für seine Kreativität bekannte freiberufliche PR-Berater war zusammen mit Ernst Naumann von Carlheinz Hollmann gebeten worden, auf kritische Fragen zu antworten.

"Das HSV-Schiff hat schwere Schlagseite und dümpelt in schwerer See", sagte der Moderator. Seine Frage - "Ist der HSV verschuldet" - beantwortete der ehrenamtliche HSV- Präsident so: "Er ist verschuldet, aber nicht überschuldet."

Daß der Traditionsverein seine Lohn- und Kirchensteuer zeitweilig nicht bezahlen konnte, erklärte Naumann so: "Jeder Steuerbringer hat unter Umständen das Recht, eine Stundung zu beantragen." So würde es jeder Kaufmann machen, um "seine Verbindlichkeiten zu strecken".

Hollmann: "Wie ist der HSV zu retten?" Naumann: "Wirtschaftlich kann er sich nur selber retten. Dabei darf er nicht sein Vermögen aufzehren."

Hollmann: "Das haben Sie schon 1987 gesagt. Es brennt lichterloh beim HSV." Naumann: "Es brennt nicht lichterloh, nur weil es einige Journalisten brennen lassen und noch Scheite nachschieben."

Dann griff Dr. Peter Krohn ins Geschehen ein: "In solchen Situationen muß man schnell handeln. Ich bin anderer Meinung als Herr Naumann: Es muß etwas passieren!"

Und: "Die Ware Fußball muß gut verpackt werden, und dazu gehört auch die Unterhaltung."

HSV-Präsident Naumann und das HSV-Ehre,nmitglied Krohn sprachen auch über eine Zusammenarbeit. Dr. Krohn hat seine "grundsätzliche Bereitschaft" erklärt, "dem HSV für beratende Maßnahmen zur Verfügung zu stehen."

Erich Ribbeck, noch Sportchef des HSV, läßt kein gutes Haar an Krohn. Dessen Einfälle seien "hirnrissig" und "ausgesprochener Schwachsinn", sagte er gestern. "Alle Vorschläge, die ich gehört habe, sind Geplappere. Sprechblasen, hinter denen nichts steht."

Es gebes keine neuen Ideen zur Belebung deg Bundesliga- Geschäfts. Eine Äußerung, mit der sich der Sportchef in den vergangenen Monaten immer wieder hervorgetan hatte.

HSV-Sportchef Erich Ribbeck vermeldete gestern einen Erfolg. Für das Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern morgen um 15.30 Uhr im Volksparkstadion haben der HSV und der HW einen "Sharp- Shuttle-Service" eingerichtet.

Fünf Busse werden von 14 Uhr an und nach Spielschluß einen kostenlosen Pendelverkehr zwischen dem S-Bahnhof Eidelstedt und der Haupttribüne des Stadions aufnehmen.

Die Gespräche, die seit 1974/75 (!) liefen, wurden endlich zum Abschluß gebracht.

Ein Plan sieht vor, daß die Busse später vom und zum S- Bahnhoi Stellingen fahren sollen - dorthin nämlich, wo die meisten Besucher aus- und einsteigen. Aber es fehlt zur Zeit noch an einer Buskehre. Hamburger Verhältnisse.

Der HSV hat den Vorverkauf der Dauerkarten eröffnet. Es wird erstmals eine Saison-Familienkarte geben, wobei der Platz des Kindes neben dem Erwachsenen 65 Mark kosten soll. Alle Dauerkarten-Besitzer erhalten in den ersten beiden UEFA-Cup-Runden freien Eintritt. Bis zum 30. Juni werden Vorzugspreise gewährt.

Seine Kunden belohnt der HSV mit Geschenken. Wer einen Sitzplatz für die Saison bucht, erhält einen großen Schirm, wer einen Stehplatz bucht, eine Stoppuhr oder einen Superfan-Aufnäher.

Außerdem wird es eine große Verlosung geben. Zu gewinnen sind 333 Preise - ein Renault R 5 und Elektronik-Geräte des Sponsors Sharp. M.H.