Der Hamburger Sport-Verein ist in Not. Seine finanzielle Lage ist viel "?*"?* ? ' g*" dramatischer, als bisher bekannt war. Er ist überschuldet. Es gibt jetzt den Beweis: Einen vertraulichen Brief des DFB an den HSV. Wird die Lizenz entzogen?17 Millionen Mark: Spieler verkaufen - das reicht noch nicht

Die Schulden des HSV

chen. Das ist ihm nicht gelungen. Im Gegenteil.

In nur 18 Monaten (30. 6. 87 bis 31. 12. 88) stieg die Verschuldung von 12,86 auf 17,1 Millionen Mark. Das entspricht einer Zunahme des Schuldenbergs von etwa 230 000 Mark pro Monat!

Ernst Naumann reagierte auf diese Enthüllungen mit Verständnislosigkeit: "Ich spreche grundsätzlich nicht über einen Schriftverkehr, den ich mit anderen führe." In diesem Zusammenhang übte er Kritik am DFB: "Die können sich nicht hinstellen, heimlich tun, und am nächsten Tag entnehme ich Details aus der Presse. So wie bei der Bundesliga-Reform."

Für den HSV gäbe es keine Auflagen vom DFB, sondern lediglich die Bitte um eine Stellungnahme. Die Spielertransfers seien freiwillig ausgeführt worden.

"Uwe Bein stand nicht auf der Liste", meinte der Präsident. "Den Namen des Spielers aber gebe ich nicht bekannt, um den Jungen nicht zu verunsichern."

Ernst Naumann stritt auch ab, jemals einen DFB-Brief bekommen zu haben, in dem

von einer "Überschuldung" des HSV die Rede sei. Dazu sagte der Präsident: "Wenn der HSV überschuldet wäre, müßte er, wie jeder Kaufmann auch, den Gang zum Konkursrichter antreten."

Beim DFB wurde sogar über einen Lizenzentzug für den HSV nachgedacht. Am Schluß des Briefes formuliert der Gutachterausschuß: ". . . hat den DFB bewogen, seine ansonsten vorhandenen Bedenken noch einmal zurückzustellen. "

Weiter heißt es: "Der Hamburger SV wird daher darauf angewiesen sein, außerordentliche Einnahmen - wie z. B. Transfereinnahmen zu realisieren."

Das heißt: Weitere Spieler müßten verkauft werden.

Die finanzielle Not des HSV war auch dem Sportchef Erich Ribbeck bekannt. In der vergangenen Woche kündigte er überraschend. Seine Motive, den Hamburger Sport- Verein zu verlassen, erscheinen jetzt in einem anderen Licht.

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Der Satz ist kurz, sein Inhalt allerdings kann für die Zukunft des Profifußballs in Hamburg verheerende Folgen haben. "Für den DFB ergeben sich Bedenken grundsätzlicher Art gegen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Hamburger SV."

Dieser Satz steht es in einem bisher geheimen Schreiben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an den HSV.

Der Brief ist mit dem 19. Mai 1989 datiert und wurde der HSV-Führung in den vergangenen Tagen zugestellt. Darin erteilt der DFB dem Hamburger Renommierklub eine Reihe von Bedingungen und Auflagen. Können sie nicht erfüllt werden, wird die Lizenz für die kommende Saison nicht erteilt.

terlagen und die HSV-Bilanzen auf Bitte des Hamburger Abendblatts.

Die DFB-Zahlen im einzelnen. Der Fußball-Bund teilte die Schulden in 7,525 Millionen Mark langfristige Verbindlichkeiten (Hypotheken) und 8,209 Millionen Mark kurzfristiger Verbindlichkeiten (Bankkredite) auf. Hinzu kommen weitere nicht näher spezifizierte - Belastungen in Höhe von etwa 1,3 Millionen Mark.

Dem stehen das Vereinsund das Spielervermögen gegenüber. Die Experten des DFB geben den Wert der HSV-Profispieler mit 5,805 Millionen Mark an. Dazu heißt es in dem Brief: "Wird das Spielervermögen eliminiert, verbleibt ein Minuskapital ohne Spielervermögen zum 31. Dezember 1988 von 6,894 Millionen Mark."

Diese alarmierende Zahl "hat sich erheblich verschlechtert", teilt der DFB mit. Weiter wird geschrieben: "So betrug sie zum 30. 6. 1987 914 000 Mark, am 30. 6. 1988 2 817 000 Mark und hat sich im zweiten Halbjahr 1988 um 4 077 000 auf 6 894 000 Mark verschlechtert."

Aus diesem Grund wird der Hamburger Traditionsverein die Lizenz für die nächste Bundesliga-Saison nur dann erhalten, wenn strenge Bedingungen und Auflagen erfüllt werden.

So müssen fünf Kreditinstitute garantieren, daß sie für Altschulden in Höhe von 4,8 Millionen Mark auch in der kommende Saison geradestehen.

Eine weitere Bedingung zur Vergabe der Lizenz: Bis zum 26. Juni 1989 muß der HSV für 2,59 Millionen Mark Fußballspieler verkaufen. Diese "Zwangsverkäufe" wurden bereits getätigt: Uwe Bein, Bruno Labbadia und Frank Schmöller werden Hamburg verlassen.

Weiter muß der HSV eine zusätzliche Liquiditätsreserve von 1 ,4 1 Millionen Mark in bar oder in Form eines Aval- Kredites bereitstellen. "Zur jederzeitigen und freien Verfügung des DFB." Als Sicherheit.

Auch eine andere Auflage dürfte den Verein schmerzlich treffen. Der DFB ordnet an, daß "die prognostizierten Personalausgaben für die Spielzeit 89/90 in Höhe von 6,5 Millionen Mark nicht überschritten werden dürfen". In dieser Saison liegt der Etat für die Spielergehälter noch bei 7 Millionen Mark.

"Wir können jederzeit einen attraktiven Spieler für eine Million Mark oder mehr kaufen", hatte Präsident Ernst Naumann noch kürzlich gesagt. Nach Bekanntwerden des DFB-Schreibens ist fraglich, woher das Geld für einen solchen Transfer kommen soll. Sicher ist: Das Gehalt dürfte der HSV nicht zahlen. Wegen der Auflagen.

Es ist verständlich, daß sich das Präsidium vor der Bekanntgabe dieser Fakten scheut. "Mein Ziel ist es, den Verein finanziell zu sanieren", hatte Ernst Naumann bei seiner Amtsübernahme im November 1987 verspro-

Der HSV-Report von Dens Meyer

Nach der Lektüre dürfte bei den Verantwortlichen des Vereins - Präsident Ernst Naumann, Vizepräsident Horst Becker, Schatzmeister Ernst-Otto Rieckhoff - hektische Betriebsamkeit eingesetzt haben.

Das oberste Gebot aber lautete: Stillschweigen. Ein Bekanntwerden des Inhalts, das war den Funktionären klar, würde den Verein und seine Führung im Mark erschüttern.

Das vierseitige Schreiben ist brisant. Erstmals wird der mittlerweile angehäufte Schuldenberg in vollem Umfang bekannt. Dabei werden die schlimmsten Befürchtungen einiger "Schwarzseher" bei weitem übertroffen.

Die Kontrolleure des DFB in Frankfurt schreiben: ?Der Verein ist . . . stark verschuldet. Die Verbindlichkeiten haben sich wie folgt entwikkelt:

- 30. Juni 1987: 12,859 Millionen Mark

- 30. Juni 1988: 15,108 Millionen Mark

- 31. Dezember 1988: 17,092 Millionen Mark."

Durch den schwachen Zuschauerschnitt in den ersten fünf Monaten dieses Jahres dürften die Belastungen im Moment sogar noch über dieser Summe liegen.

"Die Verbindlichkeiten des Hamburger SV liegen bei rund 13 Millionen Mark", hieß es stets. Diese Äußerungen stellen sich jetzt als unwahr heraus.

Das gilt auch für eine andere Behauptung des Präsidenten Ernst Naumann. "Der Verein ist trotz aller Probleme gesund. Den Belastungen stehen weit höhere Werte gegenüber."

Nach den Erkenntnissen des DFB stimmt das nicht.

"Die Verbindlichkeiten übersteigen die vorhandenen Vermögenswerte des Hamburger SV um 1 089 000 Mark. Um diesen Betrag ist der Verein buchmäßig überschuldet", heißt es in dem Brief aus Frankfurt.

Das bedeutet: Würde der HSV aufgelöst, und würden alle Werte und Schulden verrechnet werden, so bliebe ein Minus in Höhe von mehr als einer Million Mark. "Bei einer GmbH wäre dies ein klassischer Konkursfall", erläuterte ein Betriebswirtschaftler. Er prüfte die Un-