Der HSV muß handeln

Die Nachricht ist alarmierend. 17 Millionen Mark Verbindlichkeiten hat der HSV, die effektive Überschuldung liegt bei mehr als einer Million Mark.

Der Verein, der sechsmalige Deutsche Fußballmeister und zweimalige Europapokalsieger, erhält für die Saison 1989/90 nur dann eine Bundesliga-Lizenz, wenn die strengen Auflagen erfüllt werden.

Verantwortlich für diese Misere ist die Vereinsführung, die schlecht gewirtschaftet hat.

Der Niedergang wurde von dem ehemaligen Präsidenten Dr. Wolfgang Klein eingeleitet und von dessen Nachfolger Ernst Naumann fortgesetzt. Der "ungelernte" Manager Felix Magath erhielt beispielsweise bei seiner Trennung vom Verein eine Abfindung von mehr als 600 000 Mark. Auch andere Fehleinkäufe verließen den Hamburger Sportverein mit prallgefülltem Portemonnaie.

Parallel zur finanziellen Talfahrt vollzog sich eine Abwendung des Publikums vom einst beliebten HSV. Das Volksparkstadion füllte sich nicht mehr. Der Hamburger Traditionsverein habe zuletzt in der Stadt nicht stattgefunden, behauptete Dr. Klein.

Die Verantwortlichen sind mit ihrem Vorhaben, den Klub zu konsolidieren, gescheitert. Ernst Naumann ist ein fleißiger und integrer Präsident, ihm fehlen allerdings Schaffenskraft und Kreativität, das leckgeschlagene Vereins-Schiff repariert in die Strömung zurückzuführen. Sein Stellvertreter Horst Becker ist während seiner Jahre als Schatzmeister zu sehr in das finanzielle Stricknetz des HSV verwickelt.

Der Hamburger Sportverein muß wieder zum Hoch im Norden werden. Sein einziges Kapital besteht zur Zeit in seinem (noch) guten Ruf.

Eine neue Mannschaft muß her. Nicht auf dem Rasen im Stadion, sondern in der Führungsetage am Rothenbaum. Nur eine gemeinsame Aktion von Führungskräften kann den Verein retten.

Dem Präsidium bleibt zu wünschen, daß es die Lage erkennt und handelt.