Als Kandidat für die Ribbeck-Nachfolge im Gespräch

Ein Fall für Dr. Krohn?

Einen Tag nach dem Rücktritt des HSV-Sportchefs Erich Ribbeck ist ein Mann als Nachfolger ins Gespräch gekommen, der vor mehr als zehn Jahren den Verein mit unkonventionellen Maßnahmen schon einmal aus einer sportlichen wie finanziellen Krise geführt hatte: Dr. Peter Krohn, HSV-Präsident und Manager von 1973 bis 1977. Der HSV '89: Ein neuer Fall für Dr. Krohn?

Von Dieter Matz und

Rainer Grünberg

Hamburg - "Ich hätte keine Berührungsängste, meine Vorgänger Wolfgang Klein und Peter Krohn um Rat zu fragen", hatte Ernst Naumann in einem Gespräch mit dem Abendblatt am 17. April gesagt.

Inzwischen hat der HSV- Präsident diese Ankündigung teilweise eingelöst. Naumann traf sich mit dem PR-Berater Dr. Peter Krohn zum Essen.

Wäre Krohn überhaupt bereit, zwölf Jahre nach seiner Demission erneut Verantwortung zu übernehmen. "Das kann ich nicht aus der Hüfte heraus beantworten", sagte er gestern. Aber Krohn fügte auch hinzu: "Ich würde nicht brüsk sagen: Nein."

Krohns inneres Engagement für den Klub ist ungebrochen. "Mein Herz hängt am HSV", sagt er. Und: ?Ich habe mehr als nur meine Pflicht für den Verein getan. Ich war der erste ,One-Dollar-Man' des HSV. Als Präsident kam ich damals in einer schwierigen Situation. Aber ich habe beinahe Tag und Nacht gearbeitet und habe wieder für bessere Zeiten im

HSV gesorgt."

Naumann teilt diese Einschätzung, wenn auch differenzierter: ?Ich war der

f-ößte Kritiker von Krohn. ber vom HSV-Präsidenten Krohn. Im Management der Fußball-Bundesliga hat er gute Arbeit geleistet."

Die Situation des HSV hat sich seit der Ära Krohn P rundlegend geändert. Die 'R-Methoden von damals, sie würden heute sicherlich nicht greifen. Der HSV und seine Anhänger haben sich gewandelt; der Klub hat durch Arroganz und Unnahbarkeit während der sportlich erfolgreichen Jahre viel Kredit bei seiner Kundschaft verspielt. Das Image zu ändern, wäre die erste Aufgabe eines Ribbeck- Nachfolgers.

Während Peter Krohn bei Naumann Wohlwollen genießt, geht der mit seinem direkten Vorgänger hart ins Gericht: "Wolfgang Klein sollte bei seinen öffentlichen Belehrungen bedenken, was er hinterlassen hat. Der Alt-Präsident hat damals einen Verein übernommen, als die Führung noch Netzer und Zebec hieß. Ich habe von ihm Magath / Skoblar bekommen. Und viele Schulden."

Ein Mann, dem innerhalb des HSV gewisse Chancen eingeräumt wurden, Ribbeck zu beerben, ist bereits aus dem Rennen: Dr. Dirk Albrecht.

Naumann hat sich festgelegt: "Ich halte Dr. Albrecht nicht für geeignet. Er hat gewiß verkäuferische Qualitäten. Es geht aber nicht nur um PR, hier muß er als Manager die Bundesligaspieler führen, den Trainer entlasten, sich um kleine und gro- ße Wehwehchen kümmern."

Daß Naumann seinen Marketing-Chef nicht mehr auf der Rechnung hat, bewies er in jüngster Vergangenheit des öfteren. Öffentlich beschied er Albrecht, er solle sich künftig mehr um den HSV denn um Drittgeschäfte kümmern.

Von Ribbecks Rückzug, Naumann seit fünf Wochen bekannt, erfuhr er nichts. Vielmehr mußte Albrecht in den letzten vier Wochen eine Dauerkarten-Kampagne für die nächste Saison vorbereiten, in deren Mittelpunkt die Person des Sportchefs stand.

Gerüchten, er werde seinen Vertrag beim HSV vorzeitig kündigen, tritt Albrecht nicht mehr entschieden entgegegen: "Ich bin nach wie vor HSVer. Ich habe die gemeinsame Basis nicht verlassen. Aber ich mache mir ernste Sorgen um den Verein."