KOMMENTAR

Mit leeren Händen

Verein und Sportchef waren sich eimg: Erich Ribbeck sollte das angeknackste Image aufpolieren und den HSV sportlich sanieren. Nach der Trennung stehen beide mit leeren Händen da.

Ribbeck versagte nach teilweise erfolgreichen Trainerjahren als Manager. Statt Ideen und Strategien zu entwickeln, brütete er über der finanziellen Misere und grämte sich ob der vereinsinternen Bürokratie. Der hanseatische Klüngel machte es dem Mann aus dem Rheinland nicht eben leicht.

Der HSV spart von Juli an ein üppiges Gehalt, hat aber den Anspruch aufgegeben, neue Wege zu beschreiten. Der Platz des Sportchefs und Managers bleibt vorerst unbesetzt.

Wer soll in Zukunft die Vereinspolitik bestimmen und diese in die tägliche Arbeit umsetzen? Den ehrenamtlichen Präsidiums-Mitgliedern fehlen Zeit oder Inspirationsgeist, um Akzente zu setzen. Der Generalsekretär

ist als Geschäftsführer der Marketing-GmbH ausgelastet. Der Trainer mag sportliche Fortune haben, der vereinsinterne Weitblick fehlt ihm allemal. Auch wenn sein Einfluß zunehmen wird.

Der Präsident muß sich vorhalten lassen, für Fehlentscheidungen mitverantwortlich zu sein. Nach der kostspieligen Entlassung Magaths nun das Scheitern des Sportchefs. Es kostet keine Abfindung, aber wertvolles Prestige.

Ernst Naumann überlegt noch, ob er im November erneut kandidieren soll. Vielleicht fließt in seinen Denkprozeß ein, daß die Zeiten vorbei sind, in denen dem HSV allein mit einem seriösen und integren Präsidenten gedient war. Die Situation erfordert auch entschlußfreudi- §e Macher mit Visionen, ie ihren Mitarbeitern Freiräume und Kompetenzen zubilligen. Ribbecks Rücktritt ist auch eine Niederlage des Präsidenten.

JENS MEYER