Neues Vorbeugungs- Programm der Verkehrswacht

Der Kampf gegen den Tod auf der Straße

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ANJA STEHMEYER/mew/lno

Die Hamburger Verkehrswacht schlägt Alarm: Aggression und Rücksichtslosigkeit, besonders gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern, nehmen zu. Im vergangenen Jahr waren allein 1350 Kinder unter 15 Jahren in Verkehrsunfälle verwickelt, sieben von ihnen starben. "Wenn Kinder verunglükken, liegt das in erster Linie an einer nicht kindgerechten Umwelt", sagte der Vorsitzende der Verkehrswacht und Leiter der Landesverkehrsverwaltung, Friedrich-Karl Scharping. Die Verkehrswacht will deshalb verstärkt Eltern und Erzieher fortbilden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Vereinsarbeit ist das Sicherheitstraining für junge Leute zwischen 18 und 24 Jahren. Diese Altersgruppe ist nach wie vor überproportional an Unfällen mit Getöteten beteiligt.

Traurige Bestätigung bekam diese Aussage erst gestern abend: Der 23 Jahre alte Martin G. raste mit seiner Freundin Martina J. (18) auf einer 600er Honda die Rodigallee (Marienthal) entlang. Ein 28 Jahre alter Autofahrer, der mit seinem Audi die Straße kreuzen wollte, übersah das Motorrad.

Die beiden Fahrzeuge prallten auf der Kreuzung zusammen, Martin und Martina wurden vom Motorrad geschleudert. Sie waren sofort tot. Ihre Maschine schleuderte noch 70 Meter weit. Der Autofahrer kam mit einem Schock ins Krankenhaus.

Im vergangenen Jahr starben auf Hamburgs Straßen 118 Menschen. 1989 sind es bereits 31 Unfallopfer. Dabei ist überhöhte Geschwindigkeit immer noch die Unfallursache Nummer eins. Aggression und Rücksichtslosigkeit nehmen nicht nur gegenüber Kindern und unerfahrenen Autofahrern, sondern auch gegenüber älteren Menschen zu.

Und: "Immer mehr Kraftfahrer kommen ins Seniorenalter", sagte Friedrich-Karl Scharping. "Sie sind mit dem Auto vertraut, deshalb überschätzen viele ihre Fähigkeiten." Ein Training könne da hilfreich sein.

Praktische Verkehrserziehung bekommen seit gestern die Autofahrer in Langenhorn. Beamte des Polizeireviers 34 stellen jetzt Tafeln auf, mit denen sie über den Sinn ihrer Verkehrskontrollen informieren: "Langsame Fahrt - Geld und Führerschein gespart". Die Polizeibeamten wollen die Autofahrer nicht in eine Falle locken, sondern offen für eine bessere Verkehrsmoral kämpfen.

Der Straßenverkehr war gestern auch Thema einer Rede des Präses der Handelskammer Hamburg, Peter Möhrle, vor dem Wirtschaftsverein Harburg- Wilhelmsburg. Darin forderte Möhrle den Senat zu einer Umkehr im Verkehrshaushalt auf, da der Stadt andernfalls ein "Verkehrsinfarkt" drohe.

Möhrle kritisierte den ständigen Aufschub von Neu- und Erweiterungsbauten sowie die Vernachlässigung von Reparaturen an Stra- ßen und Brücken. "Der Verkehr hat zugenommen, die Stadtzentren sind nicht mehr allein während der Rush-hour, sondern den ganzen Tag überlastet", sagte er. Besonders dringend seien die Ortsumgehung Fuhlsbüttel und die vierte Elbtunnelröhre.

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