Verlag Otto Teich mit Humor und Musik ins 101. Jahr

In Ranglisten, die die größten, kleinsten, schönsten, feinsten, progressivsten, traditionsgebundensten oder bedeutendsten deutschsprachigen Verlagsunternehmen zu dokumentieren vorgeben, sucht man ihn vergebens. Und dennoch hat der im Januar 1889 in Leipzig gegründete, heute in Darmstadt angesiedelte Theater-, Buch- und Musikverlag Otto Teich ein ganz besonderes Kapitel geschrieben.

Der Gründer Otto Teich (1866-1935), gelernter Musikalienhändler, war talentiert: 675 Kompositionen, auch Opern, stammen von ihm, er musizierte und ist bis heute mit Evergreens wie "Im Grunewald ist Holzauktion" und "Ach Isabella, du bist mein Ideal" in vieler Munde.

Vor 100 Jahren startete der Verleger - so sein Enkel Claus Manfred Otto, seit 1949 Firmenchef -, "weil er sich keinen Autoren leisten konnte" mit eigenen Werken, Noten zu Musiktiteln wie "Daß mir's nicht am Gelde fehlt" (Op. 1). Op. 3 trug den Titel "Buchgewerbe-Marsch", Op. 28 lautete "Mensch, bezahle deine Schulden".

1914 wies das Teich-Gesamtverzeichnis 582 Werke des Verlegers auf, darunter auch "Mädel, ruck ruck ruck an meine grüne Seite" (Op. 120) oder "Sie will einen Dichter haben" (Op. 252). Längst hatte sich das Unternehmen auch mit musikaüschen Humoristika, als Theater- und Buchverlag einen Namen gemacht. So manche Perlen, zum Beispiel Theaterstücke wie "Fräulein Hühnerbein und die Backfische" und "Kleine dramatische Scherze und Szenen", waren da zu finden. Vom Verleger jeweüs mit Gütesiegel versehen wie: "gemütvoll", "ernst", "heiter", "dramatisch", "patriotisch", "sehr komisch", "drastisch" oder gar "gemütvoll, teüweise ergreifend".

Und schon prägten - neben Kompositionen von Paul Lincke oder Georg Mielke - Bücher das Profil. Titel wie "Der Herrenabend", "Der Vereins-Komiker" oder "Lachgas. Zwanzig Dutzend heitere Schnurren, lustige Vorträge, witzige Verse usw." waren Renner. Das "Volksliederalbum" von Hugo Hartmann erzielte gar eine Auflage von mehr als 300 000.

Im Zweiten Weltkrieg versank "alles, was den Verlag ausmachte, in Leipzig in Schutt und Asche". Frankfurt/ Main war 1949 erste neue Station. Es folgte Stade, bevor 1954 Darmstadt zum Domizil wurde.

Hier wirkt man mit zehn Mitarbeitern, hat den Eduard-Bloch-Verlag (1961) und den Bergwald- Verlag (1965) gekauft und vom Bärenreiter- Verlag die Sparte "Laienspieltexte" übernommen.

Die Zahl der lieferbaren Titel liegt bei 1000, die der Neuerscheinungen im "Vortragsbereich" bei sechs bis sieben und bei Theaterstücken zwischen zehn und 15. Otto gibt sich optimistisch: "Je schlechter das Fernsehen ist", sagt er, "desto besser geht es uns."

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