Wie der HSV Thomas von Heesen verkaufen wollteVizepräsident Becker: "Frankfurt ist am Zug"

Fünf Millionen!

ra Hamburg - Es war kurz vor sieben Uhr morgens Ortszeit in San Salvador, als Thomas von Heesen vom Hotel Residente seine Frau Petra in Henstedt-Ulzburg anrief, um sie auf einen mögüchen Umzug nach Frankfurt vorzubereiten.

Fast zur gleichen Zeit, als der Mittelfeldspieler des HSV mit Zuhause telefonierte, landete gestern gegen 14 Uhr Erich Ribbeck auf dem Flughafen in Fuhlsbüttel. Der Sportchef war aus dem HSV-Trainingslager in Mittelamerika abgereist, um mit dem Vereins-Präsidium über einen möglichen Wechsel von Heesens zu Eintracht Frankfurt zu sprechen.

Das Ergebnis der anschließenden Unterredung in der Rothenbaumchaussee: von Heesen bleibt beim HSV. Es sei denn, die Frankfurter würden bis heute nachmittag um 15 Uhr - dann schließt endgültig die Transferliste des Deutschen-Fußbaü-Bundes -, eine Ablöseforderung von 4,4 Müüonen Mark akzeptieren. Thomas von Heesen könnte dann sofort gehen.

Bei 13 MUUonen Mark

Verbindlichkeiten und einem Betriebsverlust von 1,6 MUUonen Mark in der letzten Saison wandelt der HSV seit Monaten auf einem schmalen Grat zwischen sport- üchen und finanziellen Sachzwängen. "Aber wü sind nicht bereit, sportüch Harakiri zu begehen. Der Verkauf von von Heesen wäre ein schwerer Eingriff in eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft. Da muß die Höhe der Ablösesumme schon sehr interessant sein, um überhaupt Überlegungen anzustellen", sagte Vizepräsident Horst Becker.

Und Präsident Ernst Naumann fügte hinzu: ?Noch haben uns die Frankfurter

nicht zum Nachdenken gezwungen."

Für Erich Ribbeck stand fest: "Nach dem Ist-Zustand wüd Thomas von Heesen nicht nach Frankfurt wechseln. Die Eintracht müßte ihr Angebot erhebüch nachbessern." Horst Becker: "Die Differenz ist eine größere sechststelüge Summe. Frankfurt ist am Zug."

Daß der HSV über Nacht schwach werden könnte, schloß gestern niemand der Verantworüichen aus. Denn bei 700 000 Mark jährüchen Zinszahlungen, würde der von-Heesen-Transfer den finanziell angeschlagenen Klub erhebüch entlasten.

Mehr als 200 Bundesliga-Spiele für den HSV

Thomas von Heesen gehört zusammen mit Ditmar lakobs und Manfred Kaltz zu den dienstältesten Spielern beim Hamburger SV. Der 27jährige kam 1980 vom FC Paderborn zum HSV in die Bundesliga und gilt seitdem als einer der technisch besten und elegantesten Mittelfeld-Spieler.

1982 und 1983 wurde er mit dem HSV Deutscher. Meister. Der Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1983 bedeutete für den gebürtigen Westfalen den bisherigen Höhepunkt seiner Laufbahn. Seim HSV brachte es von Heesen auf 203 Bundesliga-Einsätze, in denen er 62 Tore erzielte.

Der erhoffte Sprung in die Nationalmannschaft jedoch blieb dem als ewiges Talent bezeichneten Fußballprofi versagt.

Der MUüonen-Poker um einen der besten Mittelfeldspieler der Bundesliga hatte Ende vergangener Woche mit einer Anfrage von Eintracht Frankfurt beim HSV angefangen. Denn der deutsche Pokalsieger, mit 11:23 Punkten als Tabellen-15. der Fußball-Bundesüga in aktuter Abstiegsgefahr, sucht dringend Verstärkungen für seine Mannschaft.

Geld ist in Frankfurt vorhanden. Die elf Millionen Mark aus dem Transfer des Ungarn Lajos Detari zu Olympiakos Püäus, sind noch nicht ausgeben; obwohl das Eintracht-Präsidium zuletzt nicht gerade auf den Pfennig achtete.

Peter Hobday war von Hannover 96 für 1,5 MUUonen Mark verpflichtet worden, der Nürnberger Dieter Eckstein für 3,4. Dük Bakalorz, arbeitsloser Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach, kostete 700 000 Mark. Dazu kommen Abfindungen für die vorzeitig entlassenen Trainer Karl-Heinz Feldkamp und Pal Csernai. Und der neue Coach Jörg Berger mußte in Freiburg aus seinem Vertrag freigekauft werden.

Kein Wunder also, daß Präsident Matthias Ohms geschockt reagierte, als er von seinem Kollegen Naumann den Preis für

von Heesen erfuhr: fünf Millionen Mark. Und auch als die Hamburger 600 000 Mark Rabatt gewährten, winkte Ohms vorerst ab. "Noch zu teuer. Aber unser Interesse bleibt bestehen. Wir werden alles versuchen, um uns bis heute um 15 Uhr zu einigen."

Einziges Problem: Ohms weüt mit der Mannschaft in Portugal, und Manager Jürgen Friedrich flog gestern morgen in Urlaub.

Am Wochenende aber wurden sich zumindest

Friedrich und von Heesen für den Fall der Transfer-Zustimmung des HSV einig. Der 27jährige könnte* in Frankfurt rund 420 000 Mark verdienen, fast 150 000 mehr als in Hamburg.

Thomas von Heesen ("Ich möchte die Freigabe") hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß er sich nach dem Weggang von UU Stein, Heinz Gründel (beide Frankfurt) und Gerard Plessers (Belgien) beim HSV nicht mehr so wohl wie früher fühle. Und auch seine Frau Petra sagt: "Ich wäre nicht unglücklich, wenn der Wechsel klappt. Denn im Süden wohnen viele unserer Freunde."