Profi-Berater verklagt HSV-Profi: Thomas von Heesen spielt eine besondere Rolle

Der Kronzeuge des DFB

Holger Klemme, von Beruf Spielerberater, hatte Anstoß. Thomas von Heesen, von Beruf Fußballspieler, geriet sofort unter Druck. Der Profi- Berater hatte für den HSV-Profi einen überraschenden Spielzug zu bieten: Er legte eine eidesstattliche Erklärung des HSV-Präsidenten Ernst Naumann vor. Der Inhalt ist geheim.

So begann gestern die erste Halbzeit "Klemme gegen von Heesen" vor dem Landgericht Bonn.

AUein die Tatsache, daß es diese Erklärung gibt, verwunderte den Beklagten von Heesen: "Davon habe ich nichts gewußt. Ich kann mir darauf auch keinen Reim machen."

Steht Naumann auf der Seite des Spielerberaters? Nicht im geringsten, das ist sicher. Er ist auf Klemme nicht einmal gut zu sprechen. Als das Hickhack um den Transfer des Hamburger Mittelfeldstrategen von Heesen zu Eintracht Frankfurt Anfang Februar seinen Höhepunkt erreicht hatte, bekam der HSV-Präsident einen Anruf in der Nacht. Berater

Klemme forderte in gewohnt forscher Art eine Provision für den Spielerverkauf vom Hamburger Sport- Verein, obwohl der ihn gar nicht mit der Vermittlung beauftragt hatte. Naumann konnte kaum fassen, wie ihm geschah: "Der hat mich behandelt, als würde er mit dem Vorsitzenden eines Dorfvereins reden."

Ernst Naumann, in Australien im Urlaub, hatte die Erklärung wahrscheinlich deshalb abgegeben, um Regreßansprüche Klemmes gegen den HSV zu verhindern.

Zu dem Rechtsstreit zwischen Klemme und von Heesen kam es, weil der Spieler behauptet hatte: "Ich habe keinen Berater gehabt. Klemme hat nur die Frankfurter Interessen vertreten. Allein er hat Interesse an dem Transfer gehabt."

Dies darf von Heesen nach einer einstweiligen Verfügung nicht wieder sagen. Vorerst jedenfalls - bis das Gericht darüber entscheidet.

Klemme meint, beweisen zu können, der Berater des Spielers zu sein. Sein Rechtsanwalt legte - außer der Erklärung Naumanns - zwei weitere vor: eine von Matthias Ohms, dem Präsidenten der Frankfurter Eintracht, und die eines Journalisten. Beide wollen bezeugen, daß Klemme der Berater des Spielers sei.

"Herr Klemme kann gar nicht mein Berater gewesen sein, denn mein Vater ist mein Berater", sagte von Heesen.

Die erste Halbzeit vor Gericht endete torlos. Aber das Verfahren wird fortgesetzt und dann erst entschieden: am 20. März.

Parallel zu diesem Verfahren will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nun Front gegen die Spielervermittler machen. Mit den Vernehmungen der Spieler Eckstein (Frankfurt), Kohler (1. FC Köln), Engels (Fortuna Köln) und von Heesen (Hamburg) und von Präsidiumsmitgliedern der Frankfurter Eintracht sowie des HSV-Sportchefs Erich Ribbeck hat sich der DFB einen Eindruck über die Arbeitsweise der umstrittenen Spielerberater geschaffen.

"In einigen Fällen ist spürbar, daß diese Personen durch die Spieler gedeckt werden. Aber es wird ernst", meinte DFB-Sprecher Wolfgang Niersbach.

Die Bundesanstalt für Arbeit, die seit Jahren eine Abschaffung der in der Bundesliga gängigen Praxis der illegalen Arbeitsvermittlung fordert, kann damit rechnen, vom DFB wichtige Informationen zu erhalten.

Niersbach: "Die Bundesanstalt wäre die Anklagebehörde. Der DFB kann gegen die Spielervermittler direkt nichts unternehmen, weil sie nicht unter die Hoheit des Verbandes fallen."

Das Vorgehen des DFB gegen die Spielervermittler, die sich selbst lieber "Berater" nennen, könnte diesmal von Erfolg gesegnet sein. Denn bei Klubs und Spielern ist die Einstellung zu den ratgebenden Männern im Hintergrund umgeschlagen.

In Dortmund hat Holger Klemme schon lange Stadionverbot. Eintracht Frankfurt will nicht mehr mit Spielervermittlern verhandeln. Werder Bremen weigert sich seit Jahren, Spieler aus "zweiter Hand" zu verpflichten. Und auch unter den Profis macht sich Unmut breit.

Thomas von Heesen könnte der Kronzeuge sein. Er hat seine Bereitschaft signalisiert, Holger Klemme zu Fall zu bringen. dpa/M.H./HA