Drei Männer wollen am 21. November neuer Vize-Präsident werden

Der Machtkampf beim HSV

rhh/ma/jm Hamburg - Ein Jahr nach dem Amtsantritt von Präsident Ernst Naumann versuchen die Amateur-Abteilungen des HSV mehr Einfluß im Präsidium des Fußball-Bundesliga-Vereins zu gewinnen. Bei der nächsten Jahreshauptversammlung am 21. November wollen mit Horst Eberstein und Rolf Hollmann gleich zwei ihrer Vertreter für den Posten des Vizepräsidenten kandidieren. Bisher galt der jetzige Schatzmeister Horst Becker als einziger Bewerber für die Nachfolge Helmut fffliiwunM"" Machtkampf beim HSV.

Ernst Naumann hatte am vergangenen Montag seine Famüie nach einem Österreich-Urlaub beün HSV-Punktspiel in Nürnberg zurückgelassen, war nach Hamburg geflogen, um am Abend an einer Vorstands- und Abtellungsleitersitzung teilzunehmen. Denn vor drei Wochen war bei gleichem Anlaß massiver Unmut an der Veremsführung des 67 Jahren alten Präsidenten geäußert worden. Diesmal konnte Naumann die Wogen glätten.

Dennoch: Setzten frühere HSV-Präsidien ihre Personalvorstellungen problemlos durch, scheint sich diesmal ernsthafter Widerstand zu regen. Die da oben machen nicht mehr, was wir da unten wollen. Das müsse sich im Interesse des Vereins ändern, sagen die inzwischen zahlreichen Kritiker des Präsidiums. Naumann und Becker würden sich nur noch um das kostspiellge Wohlergehen der Fußball- Profis kümmern, hätten aber den Gesamtverein längst aus ihrem Bückfeld verloren.

Ein Revirement im Präsidium war allerdings ohnehin geplant. Becker und Naumann hatten beschlossen, die künftige HSV- Führung zu verjüngen. Ihr Plan: Für den 68 Jahre alten Vizepräsidenten Kallmann soll der 20 Jahre jüngere Becker nachrücken, dessen Job als Schatzmeister Ernst-Otto Rieckhoff (38) übernehmen. Rieckhoff, ehemaüger Handball-Bundesligaspieler des HSV, kümmerte bis jetzt um die Finanzen der Amateur-Abtellungen und speziell um das Budget der Volleyballer.

"Ich bin bereit, Naumanns Stellvertreter zu werden", sagt Horst Becker. "Meine endgültige Entscheidung ist aber abhängig von einigen Gesprächen." Becker, der in den nächsten drei Jahren Naumann als Präsident beerben wül, möchte mög- Uchst ohne Gegenkandidat in die Jahres-Hauptversammlung gehen. Ob Eberstein und Hollmann jedoch wülens sind, eine harmonische Versammlung zu gewährleisten, wird sich in zwei Wochen nach Beckers Rückkehr aus dem Urlaub entscheiden.

Horst Eberstein, 59 Jahre alt und seit 1954 HSV-Mitglled, Ueb- äugelt seit vier Jahren mit der Vizepräsidentschaft. "Das ist kein Geheminis", sagt der Manager der Fußball-Amateure.

Rolf Hollmann, 63 Jahre alt und seit 1977 HSV-Mitgüed, ist Vorsitzender des HSV-Fördervereins. Der persönüch haftende Gesellschafter und Vorstandsmitglled der neugegründeten Co op Holding KGaA hatte schon im letzten Jahr sein Interesse an der Präsidentschaft bekundet. Doch Dr. Wolfgang Klein hielt damals Naumann für seinen geeigneten Nachfolger.

Die Opposition in den Amateur-Abteüungen gegen die Polltik des jetzigen Präsidiums hatte sich Anfang des Jahres erstmals formiert, als Naumann seinen Sparkurs offenlegte. Die erhebllchen Etatkürzungen zogen sich durch alle Abteüungen. Besonders stark traf es Volleyball- (Deutscher Meister) und Schachspieler (Deutscher Vizemeister).

Der HSV ist fast pleite, wir können uns nicht erlauben, in den Amateur-Abteüungen mehr auszugeben als einzunehmen, begründete Naumann damals radikale Etat-Streichungen und kritisierte damit indirekt die risikobereite Ausgabenpolltik seines Vorgängers Dr. Klein.

Heute sagt Naumann, habe man die Dinge in den Griff bekommen. Es dauere aber noch mindestens drei Jahre, bis der HSV endgültig saniert sei. Der Präsident, ursprüngllch nur bereit, bis 1989 zu amtieren, überlegt inzwischen, noch weitere zwei Jahre dranzuhängen, well er niemand anderen sieht, der die finanzielle Gesundung des HSV garantieren könnte.

AUein das letzte Geschäftsjahr wird emen Betriebsverlust von rund zwei Millionen Mark ausweisen. Zwar wollte Schatzmeister Becker diese Zahl nicht bestätigen, sagte aber: "Die Bilanz ist noch nicht in allen Einzelheiten fertig. Unser Verlust wird aber auf jeden Fall siebenstellig sein."

Wegen der finanziellen Situation des Vereins braucht sich ein Mann kerne Sorgen um seine Zukunft beün HSV zu machen, der den Amateur-Abteüungen durch seine umstrittene Personalführung seit Jahren ein Dorn im Auge ist: Marketing-Geschäftsführer Dr. Dirk Albrecht. "Er ist der einzige, der Geld heranschafft", sagt Naumnann. "Auf ihn können wir jetzt nicht verzichten."