Das schlechteste Geschäftsjahr in der Vereinsgeschichte des Hamburger SVVerbindlichkeiten sind stark angestiegen

1,6 Millionen Mark Verlust

"Wir können zufrieden sein, der HSV ist ein rundherum gesunder Verein" Dr. Wolfgang Klein, ehemaliger HSV-Präsident int Oktober 1987 J)ies ist der höchste Verlust, den der HSV jemals gehabt hat" HSV- Präsident Ernst Naumann am 10. November 1988 Jioch so ein Jahr würde den Verein in seinen Grundmauern erschüttern" HSV- Schatzmeister Horst Becker am 10. November 1988

ma/lno Hamburg- Beim Hamburger Sport- Verein sind die roten Zahlen in Rekordhöhen gestiegen. Die Bilanz des Fußball-Bundesligaklubs legt das Ausmaß des wirtschaftlichen Debakels der vergangenen Saison offen. Das Geschäftsjahr 1987/88 endete mit einem Verlust von 1,598 Millionen Mark. Gleichzeitig weist die per 30. Juni 1988 erstellte Bilanz einen Anstieg der langfristigen Fremdmittel (7,623) und sonstigen Verbindlichkeiten (5,405) um 4,1 Millionen Mark auf 13,028 Millionen Mark auf, die aber weitgehend durch Grund- und Anlagevermögen abgesichert sind.

HSV-Präsident Ernst Naumann beschönigte kurz vor der Jahreshauptversammlung (21. November) nichts: "Dieser Geschäftsabschluß ist in jeder Weise unbefriedigend." Es habe sich gezeigt, wie weittragend negative Entwicklungen im Bereich der Fußball- Bundesliga sind. Noch vor einem Jahr hatte der HSV eine Bilanz mit 100 000 Mark Gewinn ausgewiesen.

Die hohen Verluste aus dem Spielbetrieb wurden mit Spielerverkäufen zum erheblichen Teü noch aufgefangen. Auf dem Transfermarkt erwirtschaftete der HSV 5,2 Millionen Mark. In der Fußball-Bundesliga gab es somit einen Überschuß von 700 000 Mark. Für den Universalsportverein HSV gab es bei einem Umsatz von 20,016 Millionen Mark jedoch Kosten von 21,614 Millionen Mark.

In der vergangenen Saison hatten

die Hanseaten sportliche und personelle Fehlschläge (Trainer Josip Skoblar, die Torhüter Mladen Pralija und Uli Stein), die Trennung von Manager Felix Magath (Abfindung über eine halbe Million Mark) und den niedrigsten Zuschauerschnitt seit Bundesliga-Gründung (rund 15 000) verkraften müssen. Allein an Zuschauereinnahmen gab es 1,8 Millionen Mark weniger als im Spieljahr 1986/87.

Die kostspieligen Feierlichkeiten vornehmlich der Jubiläumsball - beliefen sich zudem auf über eine Million Mark.

Ernst Naumann: "Wir haben die Situation auch deshalb meistern können, weü unsere Sponsoren halfen."

Nach unbestätigten Informationen soll der Hauptsponsor Sharp Vorschüsse auf seine jährlichen Zuwendungen in Höhe von rund zwei Millionen Mark gewährt haben.

"Das ist schon bitter, solch ein Verlust. Das tut weh. Die Wiederholung eines ähnlich schlechten Jahres", sagt Schatzmeister Horst Becker, "würde den HSV in seinen Grundmauern erschüttern." Daß der DFB dem HSV zur kommenden Saison die Bundesligalizenz verweigern könnte, daran denkt Becker noch nicht. "Damit muß ich mich heute noch nicht befassen. Ich lasse das gelassen auf mich zukommen - obwohl wir natürlich schon daran arbeiten, unsere Situation zu verbessern", sagt Becker.

Die Rücklagen des HSV sanken bei einer Bilanzsumme von 15,108 (Vorjahr 12,859) Millionen Mark auf nur noch 382 000 Mark (Vorjahr 1,98 Mill).

Die aktuelle Situation beurteilt die HSV-Führung durch die sportlich positive Entwicklung wieder optimistischer. "Der HSV ist wieder auf dem Weg an die Spitze", sagte Naumann. Unbedingt erforderlich sei jedoch die Qualifikation für einen Europacup- Wettbewerb, um zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Nach den Einsparungsmaßnahmen in den Sparten Volleyball und Schach muß auch die Nachwuchsarbeit im Fußball-Bereich, bislang jährlich mit einer Million Mark unterstützt, künftig mit weniger zufrieden sein.