Ehemaliger NDR-Redakteur im "Schachprozeß" verurteilt

Haftstrafe für Helmut Jungwirth

Wegen Untreue und Betrugs hat das Hamburger Landgericht gestern den ehemaligen NDR-Redakteur Helmut Jungwirth (45) zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Die Große Strafkammer 11 sah es als erwiesen an,' daß der Journalist rund 800 000 Mark aus einem Werbevertrag für den ehemaligen Schachweltmeister Anatoüj Karpow für sich behalten hatte. Jungwirth hatte bis zum Ende des Verfahrens bestritten, seinen ehemaligen Freund betrogen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten gefordert, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Auslöser des Verfahrens war ein Webevertrag mit einer Schachcomputerfirma in Hongkong, die mit dem Namen des Schachmeisters für ihren Computer Reklame gemacht hatte. Das Geld aus diesem Vertrag war auf ein Konto des Angeklagten in Hamburg geflossen. Jungwirth hatte vor Gericht erklärt, daß Karpow ihm die Werbeeinnahmen als Gegenleistung für vorher erbrachte Aktivitäten geschenkt habe. Karpow hatte diese Behauptung während einer Zeugenvernehmung in Berlin bestritten. Die Große Strafkammer hielt die Angaben Karpows für glaubwürdig.

Das Gericht ging allerdings davon aus, daß Jungwirth Karpow wiederholt geholfen hatte und darüber enttäuscht gewesen sein mag, daß Karpow sich nie erkenntlich zeigte. "Da mag der Plan entstanden sein, sich selber zu bedienen", sagte der Richter.

Nach dem Urteil kündigte Jungwirth an, er werde in die Revision gehen.

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