Felix Magath rechnet ab Er wirft Erich Ribbeck und Willi

Felix Magath wurde im Juli 1986 HSV-Manager, nachdem er zuvor zehn Jahre für den Verein gespielt hatte. Der dreifache Familienvater Felix Magath absolvierte 306 Bundesligaspiele und erzielte 46 Tore. Nach Beendigung seiner Laufbahn erhielt Magath vom damaligen HSV-Präsidenten Dr. Wolfgang Klein einen Manager- Vertrag über fünf Jahre. Zum Saisonende 1988 wurde der Kontrakt vorzeitig gelöst. Der neue HSV-Präsident Ernst Naumann, seit November im Amt und ein Freund Magaths, verpflichtete Erich Ribbeck als Sportchef und damit als Nachfolger Felix Magaths.

Von Jörg Marwedel (dpa) Hamburg - Zweieinhalb Monate war es still um den vom Hamburger SV abgeschobenen Manager Felix Magath. Jetzt nahm der 34malige Fußball-Nationalspieler erstmals wieder öffentlich Stellung zur Entwicklung bei seinem früheren Klub - mit einer deftigen Kritik an Trainer Willi Reimann und seinem Nachfolger, Sportchef Erich Ribbeck. Kernpunkt: Die Personalpolitik und insbesondere die Behandlung von Stürmer Bruno Labbadia.

Felix Magath: ?Labbadia ist eines der größten Torjäger-Talente der Bundesliga, der schon bald Millionen wert sein könnte. Dennoch genießt er offenbar nicht das Vertrauen von Reimann, der ihm sogar die eindeutig schwächeren Neuzugänge Bierhoff und Merkle vorzog oder ihn falsch einsetzte. Der

Bruno kam mit viel Selbstvertrauen nach Hamburg. Davon ist nicht mehr viel geblleben."

Vielleicht, so Feüx Magath, suche Reimann "Stürmer mit Fähigkeiten, die ihm früher selbst zum großen Durchbruch fehlten, robuste Brecher ä la Hrubesch, ohne besonderes technisches Repertoire und ohne Individuaütät". Wenn dem so sei, solle er Labbadia Ueber ziehen lassen.

Auch werde er den Eindruck nicht los, daß Sportchef Erich Ribbeck mit der Bevorzugung von Bierhoff und des am Dienstag allerdings schwer verletzten Merkle (Achillessehnenriß) "seine eigenen Einkäufe rechtfertigen will". Magath selbst hatte jedenfalls andere Vorstellungen von der Weiterentwicklung der Mannschaft: "Wir hatten ein Konzept mit Kastl und wollten dazu Michael Rummenigge verpflichten."

Den Einwand, der HSV habe Kastl wegen finanzieller Nöte für 2,2 Milüonen Mark an Bayer Leverkusen verkaufen müssen, läßt Magath nicht gelten: "Ich höre immer, der HSV hätte genug Geld . . ."

Dennoch schlägt der 35jährige mit dem Abstand von zehn Wochen auch versöhnüche Tone an: "Der HSV üegt mir immer noch am Herzen", sagt er. Zu Präsident Ernst Naumann, mit

"Die Ferndiagnose steht Felix Magath frei. Ich will darauf aber nicht reagieren, denn ich sehe andere Dinge, die wichtiger sind, weil sie vor meinem Dienstantritt beim HSV nicht erledigt worden sind." Erich Ribbeck, Sportchef des HSV

dem er als Geseüschafter der Reha-Klinik Norderstedt noch geschäftüch verbunden ist, habe er inzwischen wieder ein "normales Verhältnis".

Trotz aller Kritik traut Magath dem von ihm verpflichteten Reimann eine erfolgreiche Trainerkarriere zu: "Der Wilü entwickelt sich noch. Er besitzt nur noch nicht die Reife, um seine Quaütäten voü auszuschöpfen." Das klang beim Amtsantritt Reimanns im November allerdings noch ein wenig anders. Damals sagte der HSV-Manager Fellx Magath über den HSV-Trainer Willi Reimann: "Er ist der beste Trainer der Bundesliga."

Die eigene Zukunft des ehemaügen HSV-Managers könnte ebenfaüs auf der Trainerbank sein. "Ich werde demnächst den Trainerschein machen. Dann sehen wir mal weiter", meinte Magath, der sich nach einem ausgiebigen Urlaub derzeit mit Tennisspielen fithält und demnächst wieder bei Prominenten-Spielen mitmachen wül.

Unter Zugzwang steht er allerdings nicht: "Ich habe es nicht eiüg, auf einen aktiven Posten zurückzukehren, denn in den nächsten zwei, drei Jahren steht dem deutschen Fußball ein weiterer Niveauverlust bevor", prophezeit Fußball-Analytiker Magath. Bei einer Abfindung von 540 000 Mark kann er sich diese Gelassenheit leisten. Auch wenn dieses Geld bisher erst teüweise bei ihm eingetroffen ist.

Das Hamburger Abendblatt befragte Erich Ribbeck zu den Vorwürfen Magaths. Der HSV-Sportchef reagierte gelassen: "Ich weiß gar nicht, ob ich dazu etwas sagen soü. Ich möchte das eigentlich nicht", sagte der HSV-Sportchef, der inzwischen in Hamburg eine gro- ße Popularität erlangt hat. Dann aüerdings führte Ribbeck an: "Ich habe mit der Aufsteüung der Mannschaft, und ob Bierhoff oder Merkle nun spielen, überhaupt nichts zu tun. Und ich beeinflusse den Trainer auch gar nicht - im Gegenteü." ? Die HSV-Profis haben für einen guten Zweck 1000 Mark aus der Mannschaftskasse gespendet: Das Geld bekam die Robbenstation der Insel Sylt.