Otto Freese geht in den Ruhestand

Der Mann, der für Hamburg baute

Ruhestand - Das ist für Otto Freese, den langjährigen Leiter des Hochbauamtes der Baubehörde, noch ein ungewohnter Begriff. Doch seit gestern hat das Wort für ihn eine besondere Bedeutung gewonnen, denn da endete für den Ersten Baudirektor das Berufsleben. Otto Freese ist in Rente gegangen. Der 60jährige ist sich sicher: "Zuerst wird es eher ein Unruhe- Stand . . ." Denn schlleßllch hege zu Hause "noch so viel herum". Auf eines allerdings freut er sich: "Endllch werde ich wieder Zeit zum Lesen haben, endlich mal meinen Hobbys nachgehen können."

Mehr als 12 Jahre lang hat Otto Freese das Hochbauamt (etwa 450 Mitarbeiter) geleitet, hat während dieser Zeit mit zahlreichen Gebäuden der Stadt seinen Stempel aufgedrückt. Darauf angesprochen, nennt der gebürtige Freiburger spontan den Bereich der Universitätsgebäude. Ihm ist es zu verdanken, daß die Technische Universität Harburg dort gebaut wurde, wo sie heute zum Teü bereits steht, und so gebaut wurde, wie sie sich darbietet. "Die TU Harburg wächst zu einer echten Stadtuniversität heran, und darauf bin ich stolz." Er fühle sich in der Wahl des Geländes "ausgesprochen bestätigt": "Denn dort fühlen sich die Studenten nicht isoüert."

Bei der Planung der Harburger Universität konnte sich Otto Freese Erfahrungen zunutze machen, die er bereits in Freiburg und Bremen ("Dort auf grüner Wiese eine Universität zu bauen, war für mich zuerst ein Schreckgespenst!") gewonnen hatte. Freese war elf Jahre lang in Bremen tätig, bevor er 1976 als Leiter des Hochbauamtes nach Hamburg berufen wurde. Zuvor hatte er sieben Jahre lang das baden-württembergische Universitäts-Hochbauamt I (Geistes- und Naturwissenschaften) geleitet. Und davor wiederum war er bis 1957 als freischaffender Architekt in Wiesbaden und Köln tätig.

Der Sprung von der freiberuf- Uchen in die beamtete Tätigkeit war Otto Freese seinerzeit

"nicht leicht gefallen, aber leicht gemacht worden", wie er sagt. Denn "in dieser wundervoüen Zeit des Wiederaufbaus" habe er als leitender Beamter Mögüchkeiten erhalten, die ihm als Freiberufler in diesem Umfang nicht zur Verfügung gestanden hätten, zum Beispiel ganze Universitäten zu kreieren: "Ich kann meinem Schicksal dankbar sein, daß es nur so gute Aufgaben beschert hat."

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