Interview mit Manager Felix Magath: Hat der HSV schlechte Personalpolitik betrieben?

Wir müssen uns entschlossener und effektiver präsentieren..."

Hamburg - Für den HSV smd schwere Zeiten angebrochen. Durch den Ausfall des Heimspiels gegen den SV Waldhof Mannheim büeb die dringend erforderüche Verbesserung des Punktekontos aus, eme Niederlage in Karlsruhe am kommenden Sonnabend könnte böse Folgen haben, die Hamburger in die Vor-Abstiegszone abrutschen lassen. Kern Wunder, daß die Kritik am bisherigen Abschneiden und an der Personalpolltik nicht verstummen wül. Abendblatt-Mitarbeiter Manfred Heun sprach mit HSV-Manager Fellx Magath.

Abendblatt: Herr Magath, Sie smd seit zwanzig Monaten im Amt, aber erst jetzt zeichnen sich Konturen des neuen HSV-Managers im Zusammenhang mit dem neuen Trainer Willi Reimann ab. Haben Sie die schwierige Anlaufzeitjetzt endgültig bewältigt?

Felix Magath: Es ist richtig, daß nicht alles so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt hatte. Von einer zweijährigen Einarbeitungsphase konnte überhaupt keine Rede sein. Im letzten Jahr Günter Netzers war es mir nicht mögüch, Kontakte zu knüpfen oder Einfluß auf Spieler-Transfers zu nehmen.

Weil Sie aber stillgehalten haben bei wichtigen Entscheidungen oder bei Alleingängen des damaligen Präsidenten Dr. Wolfgang Klein wie bei der Vertragsverlängerung von Dietmar Beiersdorfer, schiebt man Ihnen nun den Schwarzen Peter zu und hält Ihnen eine schlechte Personalpolitik vor. Was sagen Sie dazu?

Es galt zur neuen Saison Lux und Balzis zu ersetzen. Dafür haben wir Labbadia und Bern geholt. Wollen Sie mir einreden, daß die beiden Neuen schlechtere Fußballspieler sind als Lux und Balzis?

Das ist nicht das Thema. Es kommt ja nicht nur auf die Technik, es kommt auch auf das Durchsetzungsvermögen an. Und das hat Uwe Bein bislang noch nicht bewiesen.

Okay, es ist richtig, daß Uwe Bein aufgrund unserer Mannschaftsstruktur noch nicht das gezeigt hat, was er kann. Die Mannschaft sucht eher Okonski als Bein.

Ist das so verwunderlich ? Schließlich galt Miroslaw Okonski in der letzten Saison als bester Ausländer in der Bundesliga und war auf der linken Seite unumstritten. Halten Sie eine Doppelbesetzung - eigentlich ist Thomas Kroth vom Typ her der dritte für diese Position - für sinnvoll?

Ja. Ich wäre froh, wenn das auf allen Positionen so wäre. Bei Manni Kaltz ist es beispielsweise nicht so.

Glauben Sie noch an Uwe Bein? Er kann den Durchbruch noch schaffen. Er ist ein fertiger Spieler und ist jede Mark seiner Ablosesumme (800 000 Mark - die Red.) wert. Ich hätte sogar noch mehr für ihn bezahlt, weü ich von ihm vöUig überzeugt bin.

Und was ist mit Bruno Labbadia, der immerhin schon sieben Tore erzielt hat?

Daß er unter der Konkurrenz-Situation im Angriff leidet, ist normal. Für mich ist er besser als Balzis und deshalb für unsere Mannschaft ein Gewinn.

Wenn Labbadia spielt. Momentan muß er um seinen Platz kämpfen und soll auch schon gesagt haben, daß er mit der Ungewißheit, ob er spielt oder nicht, auf die Dauer nicht leben will. Was sagen Sie dazu?

Ich finde es gut, wenn ein Spieler aus seinem Herzen keine Mördergrube macht und sagt, was ihn bedrückt.

Als ehemaliger Spieler und heutiger Manager suchen Sie jetzt mehr die Nähe der Profis, wollen mindestens einmal in der Woche draußen in Ochsenzoll ein Ansprechpartner sein. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Viele kleine Probleme werden durch die Entfernung zum Rothenbaum größer, als sie sem müssen. Außerdem möchte ich den Spielern, wenn es gewünscht wird, Hilfestellung geben bei Fragen wie einer finanziellen Sicherung oder auch Vermarktung.

Stichwort Vermarktung. Glauben Sie nicht, es wäre besser, Sie würden von Zeit zu Zeit den jüngeren Spielern auch Tips geben, wie sie sich in der Öffentlichkeit am besten "verkaufen"?

Genau das habe ich vor. Wir müssen uns geschlossener und effektiver präsentieren.

Das gilt aber doch für die Führung des HSV?

Da habe ich seit dem 2. November das sichere Gefühl, daß dies der Fall ist. Willi Reimann ist mein Wunschtrainer, der beste, den wir in der Bundesliga haben, und mit Ernst Naumann, Horst Becker und Helmut Kalimann ist die Zusammenarbeit sehr konkret und ermutigend.

Um auf den 2. November zurückzukommen: Auf der Jahreshauptversammlung des HSV wurde die neue Richtung bestimmt und war das Ende der Skoblar-Ära abzusehen. Was sagen Sie heute zu der Verpflichtung des Jugoslawen?

Seine Verpflichtung war ein Fehler. "Joschi" Skoblar ist nicht zuletzt daran gescheitert, daß er es sich zu leicht gemacht hat.

Und im Fall Pralija?

Da haben wir uns auf Skoblar und dessen Urtell, Pralija würde in kürzester Zeit der beste Torhüter in der Bundesliga sein, verlassen. Wenn ein Trainer sagt, ich wül den Spieler, und ich sage "nein", dann ist die Zusammenarbeit doch gleich beendet.

Was zu der Folgerung führt, daß die wichtigste Manager-Entscheidung die des Trainers ist?

VöUig richtig. Mit Willi Reimann können wir den HSV neu aufbauen und zu alter Stärke führen.

Mtf einem Bayern-Spieler Michael Rummenigge, der nach wie vor zu Ihren großen Favoriten gehören soü?

Auf dem Markt bieten sich kaum Alternativen an. Und bei einem Spieler vom FC Bayern München wüßten wir mit ziemlicher Sicherheit, welche Qualität wir kommen würden.

Und Olaf Thon?

Die Kontakte sind nicht abgebrochen, aber es bleibt erst einmal abzuwarten, wie Thons Südeuropa-Pläne konkret aussehen.

Sie wollen mit Trainer Willi Reimann einen "neuen HSV" nicht nur mit fertigen Stars aufbauen. Welche Rolle spielen dabei künftig die Amateur- und Jugendspieler?

Keine Nebenrolle. Es ist richtig, daß wir runter Bremen, Leverkusen oder München in der Aufbauarbeit zurückliegen. Unser Ziel ist es, daß die Amateurmannschaft in die Oberliga aufsteigt, weshalb sich auch Gerd- Volker Schock wieder um die Elf kümmert, und die A-Jugendmannschaft dort weiterhin eine dominierende Rolle einnimmt, damit sich junge Spieler für die Bundesliga profilieren. Bei Golz und Kober haben wir ein Zeichen gesetzt, weitere Talente werden folgen.